Gehört und Gesehen - Alles fließt

24.03.2012Rauschenberger

Rauschenberger

Alles fließt

Very Us Records / Edel (2012, CD)

Bereits Ende 2011 machte das Video zum Rauschenberger-Song „Hannover, nicht Hollywood“ die große Runde im Internet und mauserte sich schon zu etwas mehr als einem kleinen Szene-Hit. Die Band Rauschenberger war bis dato in und um Hannover und anderen Teilen Norddeutschlands schon länger ein echter Insider-Tipp.

Dass die Band, ob in der Besetzung Bass, Gitarre, Schlagzeug und Gesang oder mit Unterstützung des Streichquartetts Sweet Syncopation, es versteht, bei Konzerten mit hoher musikalischer Qualität und Intensität zu überzeugen und zeitweise zu fesseln, sprach sich mehr und mehr herum. Das Publikumsinteresse steigt seit einiger Zeit stetig, nun legen Rauschenberger, die Band um Sänger, Gitarrist und Namensgeber Daniel Rauschenberger ihr zweites Studioalbum „Alles fließt“ vor.

Schon das geschmackvoll gestaltete Artwork inklusive Booklet gibt deutliche Hinweise darauf, dass Rauschenberger hier ein besonderes, vielleicht auch richtig großes Album aufgenommen haben, das sich auch durch zwei weitere Charakteristika auszeichnet: Es ist klischeefrei und künstlerisch eigenständig.

Rauschenberger stehen für anspruchsvolle, erwachsene deutschsprachige Pop-Musik. Modern und gleichzeitig frei von kurzfristigen Trends. Handgemacht, glaubwürdig und mit Herz. „Alles fließt“ erschließt sich dem Hörer nicht als ein auf bestimmte Märkte und Zielgruppen kühl kalkuliertes und designtes Produkt, weder von der Gestaltung, noch vom Sound.

Man biedert sich hier nicht den so genannten hippen Indie-Kreisen an und rüttelt auch nicht penetrant an der Tür mit der Aufschrift „Mainstream-Pop.“ Von den vermeintlich großen Fleischtöpfen der Pop-Rock-Bands, deren Musik inzwischen schon hart mit deutschem Schlager anbandelt, bleibt man ebenso fern. Dennoch: Einige Songs auf diesem Album dürften auch Hörer mögen, die im Indie-Pop daheim sind, andere könnten durchaus auch ein breites Publikum ansprechen, das sich sonst mit Singer-Songwriter-Pop aus höheren Regionen der Charts umschmeicheln lässt.

Das ist aber weder „zwischen den Stühlen“ noch beliebig, sondern künstlerisch eigenständig. Wer die Band und die Musiker kennt, weiß, dass hier hohes künstlerisches Talent, kompositorische Substanz ein eigener Sound mit Wiederkennungswert und spielerisches Können eine harmonische Verbindung eingehen.

Besonders beeindruckend an diesem Album ist die Klang-und Produktionsqualität. Beides darf als beinahe ungewöhnlich und überraschend herausragend empfunden werden. Die Songs wurden live eingespielt, lediglich Gesänge nachträglich aufgenommen. Im Ergebnis klingen Rauschenberger fast so, wie man die Band mit Streichquartett von Konzerten kennt: Kraftvoll, voluminös, organisch mit zeitweise leichtem Hang zum Orchestralen.

„Alles fließt“ ist ein Album, für das der Begriff „Werk“ eigentlich eher angemessen erscheint, als „Studioalbum“. Einige Kompositionen, allen voran der Titelsong, könnten sich in ihren Instrumentierungen und Arrangements und in diesem Soundgewand schon als Filmmusik empfehlen.

Weite Landschaften, hohe Berge mit schneebedeckten Gipfeln, luftige Wälder, Morgentau auf den Wiesen, Seen, kleine Bäche die im weiteren Verlauf zu reißenden Flüssen werden. Nach einem kräftigen Regenguss in den frühen Morgenstunden, erwärmt die Frühlingssonne die Lichtung und macht Lust auf den ersten Kaffee des noch jungen Tages. Alles fließt, immer weiter, in Hannover genauso, wie in Hollywood, L.A.oder Hildesheim....


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.rauschenberger-musik.de

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