Gehört und Gesehen - Flying Colors

12.03.2012Flying Colors

Flying Colors

Flying Colors

Mascot Records / Rough Trade (2012, CD)

Besonders was den ehemaligen Dream-Theater-Drummer Mike Portnoy und den früheren Spock´s Beard Mastermind Neal Morse angeht, so sind neu zusammengesetzte All-Star-Bands für beide nichts Ungewöhnliches. Man kennt sich unter anderem von der Prog-Rock-Supergroup Transatlantic, außerdem spielt Portnoy oft in der Band von Morse wenn dieser auf Tour ist.

Jetzt sind beide auch bei der neuen Band Flying Colors mit im Boot. Mit Bassist Dave LaRue und Gitarrist Steve Morse (der von Deep Purple – d.Verf.) sind weitere prominente und hochkarätige Musiker im Line-Up, für den Lead-Gesang und zusätzliches Gitarrenspiel gewann man Casey McPherson.

Ein Großteil des elf Stücke umfassenden Debütalbums der Flying Colors taugt als sehr guter Wegbegleiter für einen gut gelaunten, beschwingten, sehr vitalen Start in einen Frühlingstag. In aller Frische bietet die Band kompositorisch ausgefeilten US-Prog-Pop-Rock auf sehr hohem Niveau, was bei den hier agierenden Musikern eigentlich auch zu erwarten war.

Was die Kompositionen angeht, hört man sehr deutlich heraus, dass Neal Morse maßgeblich der Wegbereiter und Hauptideengeber für viele Songs gewesen sein muss. Vieles erinnert von den Harmoniefolgen und Strukturen an einige der etwas eingängigeren, sehr melodiösen Songs die Neal Morse auf den ersten Spock´s Beard- und dem ersten Transatlantic-Album beisteuerte bzw. auf seinem erstem Soloalbum verewigt.

Da gibt es zahlreiche echte Ohrwürmer mit Single-Hit-Potenzial („The Storm“), Songs, wie den auf einem sehr inspirierten Basslauf aufgebauten „Blue Ocean“, dessen Bridge ähnlich hartnäckig im Gehörgang bleibt, wie der eigentliche Refrain und da sind vor allem auch die vielen wunderbar gefühlvollen Gitarrensoli von Steve Morse.

Es dauert dagegen ein wenig, mit dem Gesang von Casey McPherson warm zu werden, geht dann aber ganz gut, auch wenn einigen Songs die markante, hellere und kräftige Stimme von Neal Morse möglicherweise wesentlich besser gestanden hätte. McPherson bedient da eher den klassischen amerikanischen, leicht kehligen Rock-Gesang mit leichtem Alternative-Einschlag. Geschmackssache – wer´s mag.

Zwei, vielleicht drei etwas schwächere Stücke sind neben den in der Mehrzahl grandiosen Songs auch vertreten. Verzichtbar erscheint unter anderem das tendenziell selbstverliebt-frickelig gestrickte Prog-Metal-Stück „All Falls Down“

Für Anhänger der Band Toto zu ihren besseren Zeiten und Freunde von anspruchsvollerem, melodischem US-Pop-Rock im 80er-/90er Soundgewand, könnten Flying Colors ebenfalls ein ganz besonderer Tipp sein.

Von wenigen Schwächen abgesehen, ein bärenstarkes Album mit für manche Musikfans fast schon erhöhter Suchtgefahr. Täglich drei-bis viermaliges Hören der CD ist dennoch völlig unbedenklich.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.flyingcolorsmusic.com

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