Gehört und Gesehen - A Different Kind Of Truth

10.02.2012Van Halen

Van Halen

A Different Kind Of Truth

Universal Music (2012, CD)

Einfach mal die Zeit anhalten oder gar um Jahre zurückdrehen. Wer hat sich das nicht schon oft gewünscht, wenn man besonders schöne Momente und Lebensabschnitte genossen hat?

Musikalisch betrachtet, hatte die US-Hardrock-Band Van Halen ihre erfolgreichste Zeit von Ende der 1970er- bis ungefähr Mitte der 1990er-Jahre. Sehr eingefleischte Fans der Band betrachten die Ära mit Leadsänger David Lee Roth als die aufregendste in der Historie von Van Halen. Diese Ära endete 1983 mit der Fertigstellung des Albums „1984“, das unter anderem den Mega-Hit „Jump“ abwarf.

Hier wollen Van Halen offenbar wieder anknüpfen, David Lee Roth ist wieder am Mikro, ein neues Studioalbum mit dem Titel „A Different Kind Of Truth“ im Kasten und auch auf dem Markt.

13 neue Songs sind darauf vertreten und man mag den Eindruck haben, als hätten für die Musiker von Van Halen in den letzten Jahren oder Jahrzehnten keinerlei musikalische Entwicklungen auf der Welt stattgefunden. Man gräbt ganz tief und dabei seine kräftigen Wurzeln aus und spielt harte, handgemachte Rockmusik. Geradeaus, oft muskulös, rau und engagiert.

Monumentale Hits im Stadionrockformat mit typischem 80er- Melodic-Rock-Anstrich à la „Why Can´t This Be Love?“ oder „When It´s Love“, Songs in denen auch kräftig Synthesizer oder Piano-Figuren zum Einsatz kamen, findet man auf der aktuellen Platte nicht. Ein echter, radiotauglicher Single-Hit springt einem auch nicht entgegen. Van Halen agieren vielmehr wie zu Zeiten ihres Debüts 1977, einfach und bodenständig: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, energetisch und in rohem, sich analog anfühlendem Soundgewand. Hier haben sich offenbar wieder Musiker zusammengefunden, die aus lauter Lust wieder „so wie früher“ kräftig rocken wollen und sich dabei künstlerisch aus ihrer eigenen Historie bedienen.

Lag in der leicht angestaubten Truhe im Keller nicht vielleicht doch noch ein Zettel mit ein paar Gitarrenriffs? Gab´s da nicht auch schon irgendeine Idee für einen dicken Groove? Raus damit, es wird jetzt mal gemacht und auf Platte gebracht. So oder so ähnlich könnte man im Hause Van Halen im Vorfeld gesprochen haben.

Man mag Van Halen und ihre Musik so wie sie auf „A Different Kind Of Truth“ herüberkommt, altmodisch empfinden, überholt und langweilig oder man verbucht das unter „klassisch“, „legendär“ oder „verlässlich“.

Fest steht: David Lee Roth ist auch heute noch ein richtig guter Sänger, verfügt über eine sehr kräftige und sichere Rockröhre, Eddie van Halen kann immer noch sehr gut Gitarre spielen und hält mit seinen typischen Soli, Riffs und Licks nicht hinter dem Berg. Alex van Halen spielt Schlagzeug wie eh und je, eben nicht stumpf sondern sehr groovig und teilweise filigran. Bassist der Band ist nach dem Ausstieg von Michael Anthony seit dem Jahr 2007 Wolfgang „Wolfie“ van Halen, Sohn von Eddie, der sich hier gut in die Band einfügt, aber eher unauffällig musiziert.

Unterm Strich: Eine solide Van-Halen-Platte angelehnt an die frühen Jahre der Band auf der aber keine besonderen Glanzlichter gesetzt werden. Ein Album aus der Abteilung „Kann man wirklich machen, muss aber nicht zwingend sein.“


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.van-halen.com

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Van Halen - Live – Tokyo Dome in Concert (2015)
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