Gehört und Gesehen - Best

27.01.2012Normahl

Normahl

Best

Zounds Music (2012, CD)

Das Label Zounds Music hat jetzt auch die Punkband Normahl in ihre „Best-Of-Reihe“ aufgenommen. Damit steht sie unter anderem in einer Riege mit Marvin Gaye. Das ist für die Band aus Winnenden dann aber doch ein bisschen hoch gegriffen. Denn in erster Linie dürfte das Album ein Gewinn für Nostalgiker sein. Normahl hatten ihre größte Zeit in den achtziger und neunziger Jahren. Sie bezeichnen sich nach eigener Aussage als „die dienstälteste Punkband Deutschlands“. Normahl gründeten sich schon 1978, knapp ein Jahr nachdem die Sex Pistols den Punk in England gerade mal auf die Bahn geschickt hatten.

Wer sich damals in Deutschland in der Szene bewegte, kannte auch Normahl. Allerdings kam die Band nie an die großen Vertreter dieses Genres heran wie zum Beispiel Die Ärzte auf der Fun-Punk-Seite oder Slime und ...but alive auf der eher politischen Schiene. Normahl haben immer beide Fraktionen bedient. Da gab es Lieder wie „Der Biervampir“, die sich an eher die Spaßfraktion richteten, es gab aber auch Songs wie „Recht und Freiheit“, die aus linker Perspektive Kritik an Staat und Gesellschaft übten. Lieder aus dieser frühen Zeit wie „Zimmermann“ oder „Helmut Kohl halt's Maul“ sind kaum auf der CD. Die Auswahl konzentriert sich eher auf die Hochzeit der Band zu Beginn der neunziger Jahre. Dort nahmen die fünf Musiker ihr wohl bestes Album „Blumen im Müll“ auf. Wer Normahl damals gehört hat, wird einige Songs vermissen, wie „Schlägerpolizist“ oder „Keine Überdosis Deutschland“.

Unbedingt zu erwähnen ist noch das Lied „Diplomatenjagd“. Die Coverversion des Reinhard-Mey-Songs ist auch auf der Scheibe vertreten. Definitiv einer der Höhepunkte im Repertoire von Normahl. Auch Mey selbst lobte damals die Version.

Wie ist jetzt diese „Best-Of“-Scheibe zu bewerten? Fakt ist, dass Normahl nicht zu den schlechtesten Punkbands des Landes gehörten, aber eben auch nicht zu den besten. Aus heutiger Sicht wirkt die Musik ein wenig aus der Zeit gefallen. Und das ist schlecht, weil sie eben doch sehr an das damalige Lebensgefühl gebunden war.

Punkmusik hat sich verändert, inhaltlich wie textlich, weil sich eben auch die Zeit verändert hat. Es wird nahezu niemanden geben, der heute auf diese Musik stößt und ihr verfällt. Dennoch: Am Ende bleiben gute fünf Nostalgiepunkte.


Tobias Lehmann
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.normahl.de
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