Gehört und Gesehen - Firmament

19.01.2012Blakvise

Blakvise

Firmament

intono records (2012, CD)

Für diejenigen, die die 2008 gegründete Band Blakvise noch nicht kennen sollten, kommt der Schock gleich im ersten Song: „Escape“ beginnt wie ein typischer Hardcorekracher, polternd, rau, ungestüm. Sänger Jochen ballert seine Growls dazu. Doch nach etwa einer Minute wechselt er auf seine melodische Stimme und die ist nunmal ziemlich weich.

Da mag zunächst Irritation auftreten. Denn die Stimme scheint für die Art von eher aggressiver Musik zu wenig Druck zu haben. Dass einzige in sich runde Stück ist die für das Album vollkommen untypische Ballade „Counting Stars“. Hier finden die sphärischen und entfernt klingenden Instrumente zu einer Einheit mit der jugendlich-sanften Stimme. Doch dass die anderen Songs eben nicht rund und glatt sind, ist eben ihre Stärke.

Für den aufgeschlossenen Hörer offenbart sich hier ein spannendes Experiment, sanfte Stimme und harte Musik zu verbinden. Dass Jochen auch anders kann, zeigt er in den Hardcoreparts. Neu ist der Ansatz natürlich nicht, ein stimmliches Wechselspiel zu bieten. Viele Sänger im Hardcore und noch mehr im Emocorebereich können mühelos die gesamte Klaviatur der menschlichen Gefühlswelt mit ihrer Stimme erfassen. Doch Blakvise schlagen noch einen anderen Weg ein.

Bei aller Emotionalität sind sie eben gleichzeitig auch experimentell, aufgeschlossen, auf einer Suche, die noch nicht beendet ist. Deshalb lassen sich ihre Lieder meist nicht eindeutig kategorisieren. Doch sie zünden letztlich fast alle, weil sie einfach spannend sind.

Die Gitarrenläufe sind aufregend, schlagen immer wieder unerwartete Haken, dazu geben Schlagzeug und Bass unbeirrt die Richtung vor. Vielleicht braucht der ein oder andere Hörer ein paar Durchläufe des Albums. Doch am Ende wird der Fuß zucken, der Kopf nicken, der Körper tanzen und die Gefühlswelt freudig springen.


Tobias Lehmann
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.blakvise.de

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