Gehört und Gesehen - The Place Unknown

23.12.2011Crystal Breed

Crystal Breed

The Place Unknown

LTYH Records (2011, CD)

Mit „The Place Unknown“ legt die hannoversche Progressive-Rockband Crystal Breed ein sehr starkes Debütalbum hin, das einen zeitweise die Ohren wackeln lässt und zum Staunen verleitet. Unter „Debüt“ von lokalen und regionalen Bands stellt man sich für Gewöhnlich ein Album mit ersten Arbeitsergebnissen vor, das Appetit macht, das das Potenzial einer Band zeigt aber meist auch aufzeigt, dass hier und da noch Luft nach oben ist. Das ist meist der Normalfall.

Bei Crystal Breed, ein Name der in der hannoverschen Szene schon hier und da kursierte aber bis dato noch keine starke, einem größeren Publikum bekannte Marke darstellte, liegen die Dinge anders. Hier sind langjährig erfahrene, zum Teil an ihren Instrumenten herausragende Könner am Werk die über ein sehr geschicktes Händchen verfügen, wenn es darum geht, komplexe, wie geschmackvolle Kompositionen so zu arrangieren, dass die Songs auch als solche erkennbar sind und nicht technokratisch totgespielt werden.Mit ersterem erreicht man Musikfans mit letzterem imponiert man nicht selten nur kleinen Kreisen der berüchtigten Musikerpolizei.

Crystal Breed bestehen aus Sänger und Gitarrist Niklas Turmann, Keyboarder und Sänger Corvin Bahn (beide mit Referenzen wie unter anderem Uli Jon Roth, Fair Warning, Peter Panka´s Jane), Bassist Michael Schugardt und Schlagzeuger Thorsten Harnitz.

Eine gewisse Nähe zu Progressive-Rock-Bands wie etwa Spock´s Beard, Arena, der Allstar-Truppe Transatlantic oder dem Bandprojekt Kino sind kaum zu überhören und Bands aus Hannover und der Region die Progressive-Rock ähnlicher Färbung so gekonnt und kurzweilig hörbar spielen, sind alles andere als die Regel. Damit haben Crystal Breed wohl eher eine Monopolstellung im näheren und weiteren Umkreis der „Rockcity Hannover“.

Das Songwriting mutet zeitweise britisch inspiriert an, Harmoniefolgen à la Beatles und spätere Bands ziehen sich durch einige Songs, ein paar Folk-Anteile gibt es auch, auch mal poppige Nuancen sind zu hören und dann sind da die bombastischen Sounds, die harten Riffs, die Chöre, die energetischen und filigranen Keyboard- und Gitarrensoli. Immer geschmackvoll dort untergebracht, wo es den Songs offenbar richtig gut tut.

„The Place Unknown“ ist eine abwechslungsreiche Platte geworden, die -im Gegensatz auch zu den Werken einiger prominenten Genrevertreter- auch für nicht eingefleischte Prog-Fans gut zu hören ist, auch durch Dynamik überzeugt und nicht langweilt. Freunde anspruchsvoller Rockmusik sollten sich unter Umständen mal ein wenig Zeit für die Band und dieses Album nehmen.

Im ausklingenden Jahr 2011 ist „The Place Unknown“ von Crystal Breed nochmals ein richtiger Paukenschlag in der Rockszene Hannovers.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.crystalbreed.com

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