Gehört und Gesehen - Das ist noch nicht alles

23.09.2011Wölli & Die Band des Jahres

Wölli & Die Band des Jahres

Das ist noch nicht alles

JKP / Warner (2011, CD)

„Wir wollen die Musik nicht neu erfinden, sondern sind für alle Stilrichtungen offen. Spaß und Freude an der Sache war und ist für alle das Wichtigste. Ach ja, laut und wild soll es auch noch sein“, sagt Wolfgang „Wölli“ Rohde, über 15 Jahre Drummer der Toten Hosen und jetzt ans Frontmikro seiner eigenen Band gewechselt, über das Album „Das ist noch nicht alles“.

Wenn junge Newcomerbands solche Sätze fallen lassen, dann kann man nicht selten Beliebigkeit, Desorientierung und ausbaufähiges Können an den Instrumenten und im Zusammenspiel unterstellen, bei Wölli und seiner Band des Jahres liegen die Dinge aber ganz anders.

Der Musiker, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten als Drummer der Toten Hosen vor gut zehn Jahren aufgeben musste, daraufhin sein eigenes Label gründete, Newcomerbands förderte und hier und da Gastauftritte bei den Hosen absolvierte (zu dessen Familie er weiterhin gehört) und eigene Projekte verfolgte, kann mehr als nur ein Lied vom Leben und vor allem vom Leben eines Punk-Rock- und Rock´n´Roll-Musikers singen.

Gemeinsam mit befreundeten Musikern und teilweise mit Unterstützung einiger „Hosen“-Mitglieder wurde dieses Album eingespielt, das ein stilistisch großes Spektrum abdeckt und das Wölli & Die Band des Jahres als authentische, grundehrliche, glaubwürdige und sympathische Musikertruppe vorstellt.

Trotz aller Vielfältigkeit, geht es auf „Das ist noch nicht alles“ im Grunde um handgemachten, erdigen Rock mit deutschen Texten, die zeitweilig humorvoll Geschichten von einem Mann erzählen, der viel erlebt hat, vor allem auch hinter dem Schlagzeug.

Eine Platte im Stile der Toten Hosen ist dieses Album keinesfalls. Lediglich der im Duett mit Campino eingespielte Song „Alles noch mal von vorn“ ist ein typischer, eingängiger DTH-Midtempo-Hynmen-Rocker. Darüber hinaus loten Wölli & Die Band des Jahres Stilrichtungen wie Folk-Rock, riffbetonten Rock´n´Roll bis manchmal ganz leicht NDH oder auch mal Metal aus. „Kein Kind von Traurigkeit“ dagegen ist ein Country-Song in feinster Johnny-Cash-Manier, der eindrucksvoll offenbart, dass Wölli mit seinem rauen Organ als Sänger in Tiefen vorzudringen vermag, wie nicht ganz so viele seiner Zunft. In „Ich liebe das Leben“ unternehmen die Herren sogar einen Ausflug in Richtung Chanson.

Dass Wölli & Die Bands des Jahres offenbar mit viel Spaß an der Platte gearbeitet haben zeigt auch „Two Drunken Drummers“, das in einem fulminanten Schlagzeuggewitter endet, während die Solo-Gitarre, fast schon in Gedenken an Jimi Hendrix, die Melodie von „Star Sprangled Banner“ anspielt.

Es braucht vielleicht ein wenig bis man mit dem Album warm wird, der Opener „Mein wildes Herz“ beispielsweise mag sich manchem gesanglich als etwas zwiespältige Gratwanderung zwischen NDH/Mittelalter/Gothic-Metal und –sagen wir mal- Westernhagen erschließen, wenn man sich aber eingehört hat und die zwölf Songs dann, aufgrund der Kurzweiligkeit, verhältnismäßig fix durchgelaufen sind, mag man gleich nochmal auf „Play“ drücken.

Ein Album das wirkt, als sei es mit sehr viel Spaß und Liebe entstanden.

Im Rahmen der Herbsttour 2011 sind Wölli & Die Band des Jahres unter anderem am 28.Oktober in Hannover im Béi Chéz Heinz zu Gast.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
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