Gehört und Gesehen - Attack

09.06.2011Kottak

Kottak

Attack

SAOL / H´Art / Zelabralution (2011, CD)

James Kottak kennt man in erster Linie als Drummer der Scorpions. Wenn Kottak solo musiziert, dann darf man sich vom klassischen, stadionkompatiblen Hardrock und Feuerzeugballaden verabschieden, hier geht es dann um melodischen Punk-Rock und Rock´n´Roll, frisch, gut gelaunt und nach vorn gespielt.

Auf seiner neuen CD „Attack“ liefert Kottak mit seiner Band zehn eingängige flotte Punk-Rock und Rock-Songs, sauber produziert, ohne Schmutz-oder Underdog-Attitüde. Das Album ist gut durchhörbar und läuft einfach rund, ohne Tiefen aber auch ohne nennenswerte Höhepunkte, die einen vom Hocker hauen.

„Cheap Trick meets Green Day, mit einer Portion Social Distortion und Nickelback“, so wird der Musiker, der auf diesem Album zur Gitarre greift und singt und das Schlagzeugspiel Francis Ruiz überlässt, zitiert, wenn die Sprache auf die Beschreibung der Musik geht.

Könnte man tendenziell so stehen lassen, allerdings sind Green Day und Social Distortion natürlich ein ganz anderes Kaliber als Kottak und seine Band, jedenfalls dann, wenn es um Punk-Rock geht.

„Attack“ ist allenfalls grundsolide, fährt mit vertrauten Genreelementen auf, Melodielinien, Gitarrenriffs und Songabläufe gehen schon fast ins Klischeehafte. Ein schlechter Sänger ist Kottak keinesfalls, auch hier passt die Beschreibung „Rock, solide, rau gesungen“. Was der Punk-Rock-Fan vermissen mag, ist das gewisse Etwas an den Songs, das gewisse Etwas in der Stimme, die Unverwechselbarkeit im Klang, in der Attitüde des Gesangs und der Songs insgesamt.

Auf diesem Album werden Songs mit teilweise arg schlichten Texten abgefeuert, die im Einzellfall schon in die Abteilung Rock-Schlager, direkt zwischen Bryan Adams und Bon Jovi platziert werden können. Schlimm ist das natürlich nicht, aber auch nicht spannend.

Insgesamt vermag die Platte ganz gut zu unterhalten, kann auch im Autoradio oder bei der Arbeit im Hintergrund durchlaufen. Stört nicht, kratzt nicht, beißt nicht, tut nicht weh. Vielleicht liegt es auch an der adretten, wenig spritzigen Produktion, dass „Attack“ nicht wirklich „kickt“. Live mögen Kottak und seine Band vielleicht ihre Stärken als heiße Punk-Rock-Rasselbande ausspielen, auf CD ist das Punk-Rock- handzahm.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.jameskottak.com
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