Gehört und Gesehen - Chuckles And Mr. Squeezy

05.05.2011Dredg

Dredg

Chuckles And Mr. Squeezy

Universal Music (2011, CD)

Noch nie zuvor viel es mir so schwer eine Platte zu beurteilen, wie das bei der neuen Auskopplung von Dredg der Fall ist. Eins vorneweg: Dieses Album hat bis auf die Gesangslinien von Sänger Gavin Hayes und die typische Grundstimmung so gut wie nichts mit allem zu tun, was Dredg zuvor gemacht haben und wofür sie Millionen von Neo-Progressive Rock Fans abfeiern.

„Chuckles And Mr. Squeezy“ lässt schon vom Namen her vermuten, dass die Band mal wieder neue Wege beschreitet. Wir hören programmierte Drums, melancholische Midtempo-Songs und vor allem so gut wie KEINE Gitarren. Lediglich Track Nummer 2, „Upon Returning“ bietet ein Minimum der gewohnten Dredg-Klampferei: dissonante Riffs und atmosphärisches Layer-Sounds. Dieser Song hätte so auch noch auf dem Vorgängeralbum „The Pariah, the Parrot, the Delusion“ sein können und ist ein extrem starkes Stück. Alle anderen Songs brauchen deutlich länger um ihre Wirkung zu entfalten. „The Tent“ dümpelt wie ein Portishead Song vor sich hin, bevor der dunkle Refrain sich wie eine Platte im Slow Motion Modus dreht und einen gefangen nimmt.

Nach dem ersten Hördurchgang hätte ich diesem Album nicht mehr als drei Punkte gegeben. Wenn man sich darauf einlässt, der Cd etwas Zeit gibt und sie laut (!) hört, entwickelt sich jedoch das typische Dredg-Sucht-Potential. „The Ornament“ bedient sich Harmonien, die der Fan sofort wieder erkennt und ist eine Über-Ballade mit dem poppigsten Refrain, den die Kapelle jemals abgeliefert hat.

Die elf Songs des Albums beschränken sich meistens auf schleppende Beats und Effektsounds, wodurch noch mehr Aufmerksamkeit auf die Stimme von Hayes gerichtet wird. Der singt, als kämen die Texte tief aus seiner Seele und drückten seinen momentanen Gefühlsstand aus. Es geht ums Alleinsein, um innere Zerrissenheit, zwar immer mit einem leichten Hoffnungsschimmer in der Hinterhand, aber dennoch stets düster und erdrückend.

Sollte man eine Bezeichnung für das musikalische Genre suchen wäre „Dark Progressive Pop“ vielleicht die richtige Wahl. Mit Rockmusik hat dieses Album nämlich überhaupt nichts am Hut. „Kalathat“ kommt mit einer 6/8el Fingerpicking Gitarre und zeigt wieder eine neue Seite der Amerikaner. „Where I´ll End Up“ ist gar eine Country Ballade.

“Chuckles And Mr. Squeezy” ist die logische Entwicklung einer Band, die auf ihrem Sektor alles erreicht hat. Mir persönlich ist das Ganze unterm Strich dennoch zu poppig und wahrscheinlich wird es Fans von „Catch Without Arms“ oder dem düsteren „El Cielo“ genauso gehen. Man kann der Band jedoch nicht vorwerfen hier ein schwaches Album abgeliefert zu haben. Es ist nur einfach gänzlich anders als gewohnt.

Fazit: Dredg goes Pop. Im ersten Moment erschreckend, doch mit jedem Hördurchgang besser.


Jan Hagerodt
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.dredg.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion (2009)
Dredg - Catch Without Arms (2005)
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