Gehört und Gesehen - Soweit alles gut

30.04.2011WirFürWen

WirFürWen

Soweit alles gut

Timezone Records (2011, CD)

WirFürWen nannten sich bis vor kurzem noch Craved, stammen aus dem Raum Bremen und sind schon seit zehn Jahren aktiv. Die Medieninformation zum neuen Album „Soweit alles gut“ beschreibt den Stil knapp als „Rock“ um in Klammern „Bremer Schule“ hinzuzufügen. Damit hat man es sich einfach gemacht, der Hörer, der die zwölf, teilweise sehr unterschiedlichen Songs beschreiben oder gar kategorisieren soll, hat es da schon schwerer.

WirFürWen spielen im weitesten Sinn Rock mit deutschen Texten. Es ist ein Crossover aus modernem Indie-Rock, Singer-Songwriter-Indie mit Rock-und Fusion-Elementen, wie man sie eher den Siebzigern zurechnet. Mal rockt die Band kernig-biestig, mal perlt ihr Sound nur so aus den Boxen, dann wieder groovt es gewaltig-tanzbar.

Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang bilden das Fundament, es gibt aber auch –da wo es dem jeweiligen Song eine besondere Note verleiht – schöne Klavier-, Orgel oder Mundharmonika-Arrangements, was dem Ganzen eine sehr ansprechende und teilweise sehr intensive Stimmung gibt. „Bremer Schule“ lässt ähnlich wie vielleicht „Hamburger Schule“ einen gewissen intellektuellen Touch vermuten. WirFürWen schreiben anspruchsvolle Songs und ebensolche Songtexte, kommen dann aber insoweit auf den Punkt, dass das Ergebnis nicht verkopfert wirkt.

Eine Band mit einem eigenständigen Sound, die trotz ihrer großen Vielseitigkeit nie den roten Faden verliert, der sich durch das Album zieht. „Soweit alles gut“ enthält Songs mit großer Substanz, wie sie eigentlich nur eine künstlerisch gewachsene, gereifte Band schreiben und spielen kann. Immer wieder wird der Hörer mit Melodielinien abseits der Indie-Stange mit der Aufschrift „08/15“ überrascht. Das Songwriting ist mitunter spannend-sperrig, es gibt Kanten und auch Brüche ohne dass der Song am Ende verworren oder zerklüftet daher kommt.

Das Album ist insgesamt großartig produziert und dürfte auf der seit längerem unüberschaubar gefüllten Spielwiese „deutscher Indie“ durchaus herausragen. Eine CD für Hörer, die einen Platz zwischen Underground-Nischen und gefälligem Mainstream suchen.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

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