Gehört und Gesehen - Distortion

20.04.2011HORE

HORE

Distortion

ASR / Soulfood (2011, CD)

Willkommen zurück im Rock´n´Roll Underground. Die Band HORE (Hangover Rockexplosion) hat ein neues Album fertig gestellt und die Musik darauf ist alles andere als leichte Kost für Hörer gefälliger Rockmusik.

Rock´n´Roll im klassischen Sinne ist es auch nicht, was die Band hier abliefert. HORE verarbeiten eine Menge an Ideen, zeigen sich von ihrer kreativen aber auch kompromisslosen Seite. Es darf durchaus mal schmerzen in den Gehörgängen von an Lieder gewöhnten Rockmusikfans, denn wirklich Lieder schreiben und spielen die Vier nämlich nicht. Eingängige Refrains oder gar Ohrwürmer? Fehlanzeige.

HORE spielen über weite Strecken Rock im Spannungsfeld zwischen Stoner, Alternative, Post und Punk, meist mit einer gewissen psychedelischen Grundstimmung. Dabei klingt die Band stilistisch und soundtechnisch durchaus eigenständig und originell. Den Musikern scheint es am Allerwertesten vorbei zu gehen, marktkompatible Rockmusik zu kreieren, man tüfftelt und spielt, was Spaß macht, was sich offenbar für HORE selbst gut anfühlt, was ausdrucksstark ist und fernab von 08/15 – Gemucke. Hart darf und muss es sein, expressiv auch. Anecken durchaus erwünscht.

„Distortion“ ist alles andere als gut „durchhörbar“. Um diese Musik und wohl auch die Band zu begreifen, muss man die Musik als ganzheitliche Erfahrung auf sich wirken lassen und sich auch darauf einlassen. Die Energie auf sich einströmen lassen, die Atmosphäre aufsaugen, dann kann es – entsprechende Situation und Stimmungslage vorausgesetzt- Spaß machen, das Album.

An einem warmen Frühlingstag beim Spaziergang mit der süßen neuen Freundin und zwei dicken Tüten Fruchteis ist „Distortion“ wohl der beste Stimmungskiller den man sich vorzustellen vermag. In dieser Situation kann der düster-biestig-derb gespielte Rock der Band einem so richtig die gute Laune verderben und vielleicht auch die neue Freundin vergraulen.

Am späten Abend aber, als frisch gebackener Single im abgerockten Kellerclub bei diffusem Licht und schlechter Luft, kann die Musik von HORE, ob live von der Bühne oder aus den Boxen der Club-Anlage gedrückt, eine ganz spezielle Form von Glückgefühl erwecken oder einem einfach nur den Kopf freipusten.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.hore-rock.de

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Hore - Cheap Luxury Bomb (2006)
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