Gehört und Gesehen - Wasting Light

07.04.2011Foo Fighters

Foo Fighters

Wasting Light

RCA / Sony Music (2011, CD)

Wer schon seit Jahrzehnten lauten und harten Rock mit viel Gitarre, knalligem Schlagzeug und drückendem Bass hört, wer seit Jahrzehnten zig Sänger und Frontmänner bei ihrem Wirken beobachtet, wie sie mit großen maskulinen Posen durch Clubs, Hallen und über Festival-Wiesen röhren, wird irgendwann schon mal von einer gewissen Müdigkeit gepackt. Es ist doch nun im Genre Rock wirklich alles nur Erdenkliche gespielt, gesungen und abgearbeitet worden. Irgendwann wird es doch langweilig, man kennt doch schon alles was sich dick und fett positioniert. Könnte man meinen…

Die Foo Fighters bringen mit „Wasting Light“ aber auch den Hörer auf „Hallo Wach“-Kurs, der schon kein verzerrtes oder crunchiges Gitarrenriffing von breitbeinig auf der Bühne verwurzelten Musikern mehr hören konnte.

Es geht eben auch anders, kreativer, frischer, druckvoller, ausgefuchster im Spiel. Das verdeutlichen die Foo Fighters auf „Wasting Light“ eindrucksvoll und nachhaltig. Dave Grohl und seine Kollegen rocken nun auch schon fast schon zwei Jahrzehnte, gehen aber anno 2011 mit einer Energie und Ideenreichtum zu Werke, als wäre „Wasting Light“ das Debüt oder gerade mal zweite Album.

High-Energy-Rock mit zeitweise großem Kick-Ass-Faktor mit ordentlich Tempo und Druck gespielt, mal im melodischen Breitwand-Format, dass es für die großen Arenen und Stadien passt, dann wieder roh und rotzig wie in einem kleinen Club, in dem das Wasser von den Wänden läuft. „White Limo“ ist so ein ungezügelter Rock´n´Roll-Song, mit dem die Band richtig kratzig und böse rüberkommt.

Die Marschrichtung, große, harte und trendunabhängige Rockmusik zu spielen wird über das gesamte Album eingehalten, mit zahlreichen feinen Nuancen sorgen die Foo Fighters aber auch für Abwechslung. „These Days“ hat einen leichten Folk-Rock-Touch, „Miss The Misery“ erinnert an 80er/90er US-Hardrockbands, „Walk“ geht wohl auch als angerockter Power-Pop durch, ein Song wie „I Should Have Known“ bedient die Sparte melancholisch-psychedelische Progressive-Rock-Ballade.

Herausragend und absolute Weltklasse sind die Arrangements, die Produktion und der Endmix des Albums. Die Gitarrenarbeit ist meisterhaft gelungen. Kreative Licks und Riffs, schön gelegte, bissig gespielte Akkorde- alles darf durch ein schönes Stereopanorama von links nach recht und wieder zurück fliegen. Das klingt alles sehr aufgeräumt, auf den Punkt und oft auch unvorhersehbar, was die Band in einigen Songs anbietet.

“Wasting Light“ dürfte das Herz eines jeden Rock und Rock´n´Roll-Fans höher schlagen lassen, gleichzeitig kann dieses Album eine echte Orientierungshilfe für Produzenten, Musiker und Bands sein, die selbst am Thema Rock, Punk-Rock, Alternative-Rock oder Rock´n´Roll werkeln. Dieses Album ist in nahezu jeder Hinsicht ein Paradebeispiel dafür, wie man 2011 ein großartiges Rockalbum einspielen und mischen kann. Die Foo Fighters sollen diese Platte in Dave Grohl´s Garage mit rein analogem Equipment realisiert habe, informiert die Medieninfo.

Einziges Haar in der Suppe: Einige Songs wirken mit ihren viereinhalb bis fünf Minuten Spielzeit etwas lang geraten, denn die Foo Fighters kommen meist ohne große Umschweife so schnell zur Sache und auf den Punkt, dass nach knapp drei Minuten meist schon alles gesungen und gespielt ist. Aber das ist letztlich Geschmackssache, wie der Verzehr eines Steaks. Manche mögen es „blutig“, manche „medium“, andere wiederum "durchgebraten."


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.foofighters.com
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