Gehört und Gesehen - Seefahrerherz

17.02.2011Meike Koester

Meike Koester

Seefahrerherz

Eve´s Apple Music Production / In-Akustik (2011, CD)

Besonders in meiner Heimat Göttingen kennt man Meike Koester von unzähligen Auftritten im dortigen Traditionsclub „Nörgelbuff“ als aktive Weltenbummlerin, als Musikerin mit echten Aussagen und großer Glaubwürdigkeit. Was den „neuen Superstars“ in harter Arbeit antrainiert werden soll, hat diese Dame also von Beginn an in die Wiege gelegt bekommen.

„Seefahrerherz“ ist ihr erstes, hauptsächlich deutschsprachiges Album. Vom seichten Chanson über Country und Blues geht die Bandbreite bis hin zum kräftigen Pop-/ Rock Song. Anspruchsvoll arrangierte und abwechslungsreich instrumentierte Songs dudeln mir aus den Lautsprechern entgegen. Ich sage ganz bewusst dudeln, denn für viele wird die Musik der Deutschen nichts anderes als vocalintonierte „Fahrstuhlmucke“ sein. „Mach Die Leinen Los“ kommt zwar mit einem ausgeklügelten Text daher, verlangt einem aber auch so einiges ab. Spätestens beim Scat-Gesang-Solo setzt leichtes Fremdschämen ein. Besser funktioniert da die Ballade „Müde Und Sehnsüchtig“. Das wirkt weniger aufgesetzt, auch wenn die Dame auf „Uh uh“ und „Heyiiiey“ Fills gerne verzichten könnte.

Das Problem mit der deutschen Sprache ist, dass der Grat zwischen gefühlvoll und peinlich sehr schmal ist und vor allem für den Zuhörer einfacher zu bemerken ist, als in englischsprachiger Musik. Diese Tatsache bricht der Künstlerin so manches Mal das Genick. Stelle man sich aber z.B. mal die Kollegen aus England oder den USA mit auf Deutsch umgesetzten Texten vor, so hätten die damit bestimmt ebenfalls ihre Probleme. Man stelle sich nur mal einen Bon Jovi Text auf Deutsch vor. Uiuiui.

Mit „Zeig Mir Den Sinn“ präsentiert Frau Koester einen Song, der Mainstream-Hit-Charakter aufweist. Den gleichen Song von Silbermond und die Top Ten wären geknackt.

Die Gitarrenparts auf „Seefahrerherz“ sind insgesamt sehr schön umgesetzt worden und erfreuen das Ohr. Und stelle ich mir die Dame alleine mit ihrer Klampfe im miefigen Gewölbekeller vor, so kann ich mir die Wirkung ihrer Kompositionen gut vorstellen. Meike Koester ist auch mit ihrem vierten Album im Rücken das, was sie immer war. Eine echte Musikerin, die die Geschichten ihres Lebens anspruchsvoll vertont. Und dass das eher was für eine intime Atmosphäre und nicht für die Allianz-Arena ist, sollte sie eigentlich eher freuen als wurmen.

Fazit: Einfühlsame und spezielle Popmusik, die leider manchmal dümpelt.


Jan Hagerodt
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.meikekoester.de

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