Gehört und Gesehen - Sucher

06.01.2011Stephan Fröhlich

Stephan Fröhlich

Sucher

Eigenproduktion (2010, CD)

Lange nichts gehört von Stephan Fröhlich, dem etatmäßigen Gitarristen der langjährig aktiven hannoverschen Band dowjones, den es dann und wann auch mal auf Solo-Pfade verschlägt.

Nun hat Fröhlich seine dritte CD „Sucher“ fertig gestellt und was aus künstlerischer Sicht gleich auffällt: Der Musiker wandelt nicht auf ausgetretenen Pfaden, kopiert nicht, adaptiert vielleicht an einigen Stellen und hat keine Scheu davor, auch mal ein paar Züge gegen den Strom des Mainstream-Rock zu schwimmen.

Insgesamt elf deutschsprachige Titel hat Stephan Fröhlich für „Sucher“ aufgenommen, alles eigenhändig im eigenen Studio in Laatzen eingespielt und produziert, lediglich das Schlagzeug wird vom Drumcomputer geliefert.

Das Ergebnis: Musik, Songs zwischen melancholischer Ballade und kernig-bissigem Hardrock mit Mittelalter-Folk-Rock-Touch. Etwas schwer einzuordnen, was Fröhlich hier treibt, aber um eine Kategorisierung scheint es dem Musiker auch gar nicht zu gehen. „Sucher“ ist keine Major-Deal-Produktion die stilistisch formatiert in irgendwelche Charts, in bestimmten Zielgruppen platziert werden muss.

Ganz frei von der Leber und ohne Druck des Business musiziert sich Stephan Fröhlich durch diese CD, die den an industrielle Standards gewöhnten Durchschnitthörer zuweilen vor die eine oder andere Herausforderung stellen kann. Eher ungewöhnlich ist die Art und Weise der Gesangsintonation und Phrasierung, das ist phasenweise arg gewöhnungsbedürftig und manchmal auch leicht neben der Spur.

Phasenweise klingen manche Melodieführungen aber auch nicht unvertraut, so wie etwa in „Gier“ oder „Tagedieb“. Würden hier noch Dudelsäcke oder Klarinetten ertönen, dann könnte man sich –mal so dahin assoziiert- in einer support-Show für Band wie Coppelius, Schandmaul oder Subway To Sally wähnen. Das ist dann durchaus korrekt und ansprechend.

Herbststimmung bei „Sturmfänger“, dem mit 8.24 Minuten längsten Song des Albums. Liedermacher-Musik dieser Machart kennt man auch von Veranstaltungen wie Kirchentagen, Ostermärschen oder vom Rahmenprogramm von Protestkundgebungen ökologischer Prägung, wie sie in den späten Siebziger und frühen Achtzigern zuhauf stattfanden.

Auch wenn der Zugang zu dieser Platte, den Songs und der oft eigenwilligen Präsentation nicht gerade leicht fallen dürfte, das, was Stephan Fröhlich hier mit einem gewissen Home-Recording-Charme anbietet, ist wohl in höchstem Maße authentisch und „indie“ in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes.

Kontakt zum Künster über www.myownmusic.de und den Artistnamen „watzmann“.


Andreas Haug
(4 / 10 Pkt.)

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Stephan Fröhlich - Blau (2002)
Stephan Fröhlich - Only Rock (1996)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite