Gehört und Gesehen - Zinnober

26.11.2010Coppelius

Coppelius

Zinnober

F.A.M.E. Rec./edel Distribution (2010, CD)

Das liebevoll errichtete Gesamtkunstwerk Coppelius präsentiert mit “Zinnober” ein neues Studioalbum. Diese außergewöhnliche, musikalisch avantgardistisch anmutende Band aus Berlin erfreut sich in den letzten Monaten steigender Beliebtheit beim Konzertpublikum. Die Vorstellungen- von profanen Gigs will man gar nicht sprechen- sind von einer ganz eigenwilligen Atmosphäre geprägt.

Coppelius entführen ihre werten Gäste zurück in das 18.Jahrhundert, kleiden sich in Gehrock, Frack und Zylinder, spielen zwar –im weitesten Sinne- Rockmusik, bedienen dabei aber Instrumente wie Klarinetten, Celli, Kontrabass, Cembalo und Schlagzeug.

Mit „Zinnober“ spannen Coppelius einen großen Bogen, verbinden die unterschiedlichsten Stilelemente in ein jederzeit eckiges Klangbild. Ihr „Kammer-Core“ ist nichts für Hörer, die es mit eingängiger Rock-und Popmusik halten, für zartbesaitete Gemüter mit schwachen Nerven ist das ebenfalls nichts. „Zinnober“ mag für den Fan und geübten Hörer ein Hochgenuss sein, für andere ist das Album und die gesamte Musik von Coppelius eine Herausforderung mit sehr hohem Anspruch.

Gesangmelodien, die an folkloristisches altdeutsches Liedgut aus der Zeit des Minnegesangs erinnern, gehen eine Verbindung mit sehr eckigem und kantigem Art-und Progressive-Rock der späten 1960er-und frühen 1970er-Jahre ein. Und dann wären da noch markante Zutaten aus dem Genre Metal in seiner frickeligen Form

Coppelius haben mit großem Ideenreichtum ihren ganz eigenen Sound und Stil entwickelt, musizieren auf höchstem Niveau und scheinen dem Album-Hörer und Konzertbesucher Musik als äußerst abwechslungsreiche Kunstform denn als Unterhaltungsformat anreichen zu wollen. Dynamisch, extravagant und vielfach sehr virtuos.

„Zinnober“ wird die vielen alten und auch vielen neuen Fans von Coppelius sicher begeistern, für ungeübte Hörer ist die Musik wahrscheinlich zunächst nur sehr schwer verdaulich. Coppelius im Konzert zu erleben ist in jedem Fall ein Spektakel, der Band auf ihrem Album zu folgen, kann sehr spannend aber auch sehr nervenaufreibend sein. Keine Band und keine Musik für „so nebenbei“.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.coppelius.eu

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Coppelius - Extrablatt (2013)
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