Gehört und Gesehen - Files Of Conspiracy

26.11.2010Chyroc

Chyroc

Files Of Conspiracy

Eigenproduktion (2010, CD)

Der CD-Titel lässt langjährige Kenner der hannoverschen Musikszene aufmerken: Conspiracy? War das nicht mal eine Melodic-Hardrock-Band aus der oft als „Rock-City“ bezeichneten Stadt Hannover? Ja, lautet die klare Antwort. Vor rund zehn Jahren legten Conspiracy ihre seinerzeit vielerorts gelobte CD „Unplugger“ vor.

Conspiracy firmieren inzwischen unter dem Bandnamen Chyroc und pflegen die Tradition des melodischen Hardrock und Adult Orientated Rock (AOR) der 1980er Jahre, äußerst konsequent und mit allem was dazu gehört.

Aktuelles Ergebnis ist das Album „Files Of Conspiracy“, auf dem auch Songs vertreten sind, die damals „Unplugger“ besonders auszeichneten, wie „Stars“, das sich zum kleinen Szene-Hit entwickelte und anno 2010 in vollverstärkter Version auf dieser CD vertreten ist.

„Files Of Conspiracy“ ist in allen Belangen eine Platte aus längst vergangen und vergessen geglaubten Zeiten. Man schaut verdutzt auf den Kalender, welches Jahr wir eigentlich schreiben. Ist es wirklich 2010 oder etwa doch 1989 oder 1990? Wer moderne Songs und Sounds erwartet hatte, der wird beim Hören des Albums ein ums andere Mal erschaudern. Ist das wirklich eine Platte, die 2010 aufgenommen wurde oder wurde dieses Album auf irgendeinem Dachboden in alten Umzugskartons wiederaufgefunden?

Schon das Gesamtklangbild der ersten Tracks ist für die heutige Zeit –pardon- ziemlich dünn und unfrisch. Für eine Aufnahme im kleinen Tonstudio oder Homerecording-Studio wäre das vor 20 Jahren oder länger in Ordnung gegangen, für die heutige Zeit wirkt die gesamte Produktion doch sehr ungewöhnlich, mitunter altbacken. Leider vermitteln die Aufnahmen oft nur wenig „Energie“ oder „Würze“. Hier hat eine Band versucht, in Eigenregie, ihre Musik möglichst korrekt aufzunehmen, das klingt nach konzentrierter Arbeit, aber nicht nach schweißtreibendem Rock´n´Roll von Musikern, die wirklich mit Druck und Peffer im Allerwertesten agieren.

Songstrukturen, Melodielinien, Akkordabfolgen bedienen weitestgehend alte Melodic-Rock/Hardrock-Klischees. Man hat vieles in sehr ähnlicher Form schon oft von anderen Bands, oft besser, manchmal aber auch schlechter gehört. Man muss schon sehr in den Achtzigern und frühen Neunzigern verwurzelt, bzw. stehen geblieben sein um sich phasenweise nicht zu Tode zu langweilen, denn was Chyroc hier anbieten, schmeckt wie eine angewärmte (nicht erhitzte) Dose Eintopf, der –vor Jahren produziert- unendlich haltbar zu sein scheint – mit dem Zusatz von Konservierungsstoffen. Füllt, macht satt, aber ist nicht wirklich ein Genuss.

Wirklich postiv zu vermerken ist, dass die Band qualitativ sehr ordentlich musiziert, brauchbare Songs mit teilweise feinen Ohrwurmmelodien schreibt und in Sachen Gitarrenarbeit mitunter richtig tolle Sachen abliefert. Könner sind sie, die Jungs von Chyroc, keine Frage. Einen Höhepunkt markiert neben „Stars“ unter anderem das wunderschöne Gitarren-Instrumental „This Is The Day“. Ansonsten ist die Platte wohl nur etwas für extreme Traditionalisten und Die-Hard-Fans.


Andreas Haug
(3 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.chyroc.de
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