Gehört und Gesehen - Best Of Nena

18.11.2010Nena

Nena

Best Of Nena

Universal Music (2010, CD)

Es gibt “Best Of”-Alben, die mal fix und relativ lieblos zusammengestrickt wurden und es gibt “Best Of” Alben, die einfach schön aufgezogen sind und eine wirkliche Bereicherung darstellen.

Zur zweiten Kategorie gehört ganz eindeutig „Best Of Nena“ von einer Sängerin, die einst, zu Beginn der Neuen Deutschen Welle, von so genannten Musikexperten und selbsternannten Kennern als vorübergehende Modeerscheinung mit überschaubarer Substanz charakterisiert und zeitweise auch belächelt wurde. Das war rund um 1982 / 1983 und ist heute längst Schnee von gestern.

Die „Kritiker“ und „Experten“, die Nena seinerzeit ob der jugendlichen Unbekümmertheit im Auftreten, als Teenie-Thema, das vielleicht ein paar Monate in der Bravo stattfindet, dann aber schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird, kategorisiert hatten, sind längst verstummt. Nena zählt seit Jahren, und das mindestens in Deutschland, zu den profilierten Pop-Künstlerinnen und hat sich ganz oben in der Spitzgruppe des Genres etabliert, ist als Act derzeit wahrscheinlich die unumstrittene Nummer Eins unter Deutschlands Sängerinnen im Bereich Rock & Pop.

Lässt man die 19 Songs des „Best Of“-Albums auf sich wirken, wird deutlich, warum das so ist. Die Songs sind wahre Perlen, tolle Melodien und Texte und obendrauf Nenas gefühlvolle Gesangstimme, mit ihrem unverwechselbaren, charakteristischen Timbre. Nena zuzuhören bedeutet, eine große Palette von Gefühlen und Gefühlszuständen zu durchleben. Von Trauer über Sehnsucht, Zuversicht bis hin zum Glücklichsein.

Im Gegensatz zu vielen anderen Compilations anderer Bands und Einzelkünstler auf denen alte Originalaufnahmen an der Schnur aufgereiht werden, wartet „Best Of Nena“ mit einigen Neuversionen und Remixen ihrer Hits auf, was mehr als 25 Jahre alten Songs wie „99 Luftballons“ neues Leben einhaucht. Auch „Leuchtturm“ gibt es in einer neuen Version.

„Wunder geschehn“ ist als Live-Aufnahme vertreten, ebenso wie „Jetzt bist du weg“, das Nena gemeinsam mit Udo Lindenberg singt. „Haus der drei Sonnen“ ist ein Song, der bereits 1985 geschrieben wurde und jetzt neu inszeniert serviert wird: Nena im Duett mit Peter Heppner, auf dem Album als „New Version / Radio Mix“ vertreten. Die wunderbare, romantische und sensible Gemüter stark berührende Ballade „Liebe ist“ fehlt auf „Best Of Nena“ ebenso wenig wie „Anyplace, Anywhere, Anyhow“, die Duett-Version von „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, präsentiert von Nena und Kim Wilde. Auch diesen Song gibt es auf diesem Album in einer neuen Version.

Vergleichsweise nicht ganz so stark kommen einige wenig Songs wie etwa „Old School Baby“ (WestBam & Nena) herüber, gehen aber im Gesamtzusammenhang in Ordnung.

Von diesem auch in der Artwork-Aufmachung modernen Album dürften sich junge Musikhörer ebenso wie reifere Jahrgänge angesprochen fühlen. Die Musik von Nena und auch die Künstlerin selbst bewegen sich ist in dieser Form trendunabhängig auf absolutem Top-Niveau im Bereich deutschsprachigem Pop.

Durchweg gut – über weite Strecken absolut großartig.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.nena.de
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