Gehört und Gesehen - Greatest Hits

18.11.2010Bon Jovi

Bon Jovi

Greatest Hits

Universal Music (2010, CD)

Es geht auf Weihnachten zu, das Weihnachtsgeschäft ist in vielen Branchen im vollen Gange. Alljährlich spült die Musikindustrie massenweise Live-Alben, Akustik-Alben, Wiederveröffentlichungen und Greatest-Hits-Zusammenstellungen auf den Markt.

Solche Veröffentlichungen stellen oft ganz passable Weihnachtsgeschenke dar und werden entsprechend gekauft. Von den US-Rockern Bon Jovi ist Ende Oktober ein Greatest-Hits-Album erschienen, das es in zwei Versionen gibt: Zum einen als Standard-CD mit 16 Songs (darunter zwei neuen Titeln) und als Doppel-CD mit erweitertem Programm.

Uns liegt die Standard-Version vor, auf der viele der essenziellen Bon-Jovi-Hits und Mega-Hits vertreten sind, die dem Musikhörer seit 25 Jahren bei sehr vielen Gelegenheiten um die Ohren schwirren. Man kennt sie eigentlich alle, Songs wie „Livin´On A Prayer“, „You Give Love A Bad Name“, „Bed Of Roses“ oder „In These Arms“.

Eingängiges Songwriting, Ohrwurmmelodien für die breite Masse, das ist korrekt, das funktioniert und macht vielen seit Jahren Spaß, ob im Radio, auf Erwachsenen-Parties oder im Konzert.

Was das Produkt, die CD-Veröffentlichung selbst angeht, so hakt es in Sachen Einfallsreichtum und Originalität an einigen Stellen doch gehörig und offenbar wurde diese Veröffentlichung auch ein wenig mit der heißen Nadel gestrickt. Im Booklet werden beispielsweise Mastering-Credits zum Song „Runaway“ aufgeführt, der Song selbst ist, zumindest auf der Standard CD, gar nicht vertreten.

Nach starkem Beginn mit „Livin´On A Prayer“ und „You Give Love A Bad Name“, beide mit brillantem und druckvollem Sound, flacht die Platte mit Track 3 „It´s My Live“ plötzlich deutlich ab. Der Song, der, wie viele Titel der Band, in die Kategorie einfacher, aber erfolgreicher „Hardrock-Schlager“ einzuordnen ist, dümpelt im vergleichsweise faden Soundgewand so dahin. Liegt es an der Originalaufnahme oder fehlendem Re-Mastering? Auch die nächsten Tracks wie „Have A Nice Day“ oder „Wanted Dead Or Alive“ lassen für die heutige Zeit Frische und Spritzigkeit vermissen. Bon Jovi „Greatest Hits“ wirkt, wie „mal so eben fix zusammengestellt“ – und fertig.

Mit „What Do You Got“ und „Apologies“ gibt es zur Abrundung zwei neue Songs, die sich nahtlos in das Repertoire einreihen, jedoch keine neuen Akzente setzen. „What Do You Got“ ist eine Bon-Jovi-Ballade, wie viele andere auch, ein Song den die Band in gewohnter Qualität routiniert herunterspult. „No Apologies“ gleitet nach vielversprechendem Beginn und Steigerung in einen schlappen und recht stumpfen Mitstampf-Refrain ab. Das ist 08/15-Musik von der Stange, leider nicht mehr. Wer aber mit berechenbarer Hausmannskost zufrieden ist, wird hier professionell bedient.

Ansonsten dürfte das Album für langjährige Musikhörer ein recht überflüssiges Produkt darstellen. Jüngere Rock-und Popfans, die damit liebäugeln, die Band kennenzulernen, sind sicher mit dem Mitte der Achtziger erschienen Album „Slippery When Wet“ besser versorgt.


Andreas Haug
(4 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.bonjovi.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Bon Jovi - Keep The Faith + Have A Nice Day (2010)
Bon Jovi - Lost Highway - The Concert (DVD) (2007)
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