Gehört und Gesehen - Take A Minute

11.11.2010Smokie

Smokie

Take A Minute

Goldferry / Warner (2010, CD)

Respekt Smokie! Wo in diesen Tagen und Wochen seit Jahrzehnten etablierte Bands mit Best-Of-Compilations, Wiederveröffentlichungen oder irgendwelchen Live-Alben ihren Backkatalog pflegen, bringen Smokie ein Album mit brandneuen Songs heraus.

Smokie? Die gibt es noch? Zugegeben, die Band, die Mitte/Ende der Siebziger zahlreiche Top-Hits landete und vor allem bei jugendlichen (weiblichen) Musikfans zu den ganz großen Bands der internationalen Musikszene zählte, war in den vergangenen Jahren deutlich aus dem Fokus geraten. Von der Urbesetzung ist lediglich noch Bassist Terry Uttley mit an Bord, die üblichen Helden von einst, die die Herzen junger Mädchen eroberten und als Bravo-Poster die Wände der Jugendzimmer zierten schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Kein Chris Norman, kein Alan Silson, kein Pete Spencer, Musiker, für die die 10-14-Jährigen (oder wenig älteren) um 1976/1977/1978 herum schwärmten.

Ob das ein Manko ist, darüber werden eingeschworene Fans diskutieren, ob der aktuelle Smokie-Sänger Mike Craft die neuen und alten Songs der Band besser oder schlechter präsentiert als Chris Norman (oder am Ende genauso gut), wird bei Kennern der Band sicher auch ein Thema sein, so, wie das häufig der Fall ist, wenn ein Bandname aufrecht erhalten wird, hinter dem ein Großteil der einst prägenden Künstler gar nicht mehr stehen.

Hört man die zwölf nagelneuen Songs auf „Take A Minute“ knüpfen Smokie durchaus an ihr Songwriting und ihren Bandsound aus der großen Zeit der Siebziger an. Locker-flockiger, folkiger Handmade-Rock im mittleren Tempo. Elemente aus Country und Blues werden fein eingestreut obendrauf rauchiger Leadgesang. Einige kategorisieren Smokie als Harmonic-Rockband, was es wohl auch trifft.

Die Songs und die Produktion gehen absolut in Ordnung, Sänger Mike Craft macht eine ausgesprochen gute Figur und man kann sich gut vorstellen, dass Craft ohne Abstriche auch das ältere Hit-Repertoire hervoragend zu interpretieren vermag. Im Grunde hätte dieses Album auch in den Siebzigern erscheinen können und wäre von den Fans sicher sehr positiv aufgenommen worden. Einige Songs hätten wohl genauso ihren Weg ins Radio geschafft, wie die Hits von damals, wirken für die heutige Zeit jedoch ein wenig -pardon- bieder.

Smokie präsentieren sich auch anno 2010 als musikalisch verlässliche Band ohne hörbare Alterserscheinungen. Dass die Band heute oft auf Oldie-Festivals und nicht mehr auf von Jugendmagazinen präsentierten Teenie-Konzertspektakeln zu hören ist, ist mit dem Lauf der Zeit logisch zu erklären.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.smokie.co.uk

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Smokie - Original Album Classics (2009)
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