Gehört und Gesehen - 7 Sinners

28.10.2010Helloween

Helloween

7 Sinners

Sony Music (2010, CD)

Metal-Spezialisten die Band Helloween näher vorzustellen, ist sicher vollkommen überflüssig. Für alle anderen: Helloween gelten als die Erfinder des „German-Melodic-Speed-Metal“ und sind seit ihren Anfängen 1984 kreative Pioniere und eine der erfolgreichsten deutschen Metal-Bands. So kurz, prägnant und zutreffend bringt es die Medieninfo zum neuesten Studio-Album „7 Sinners“ auf den Punkt.

„7 Sinners“ ist das mittlerweile 13.Album der Bandgeschichte und dort wo andere Bands, die länger als 25 Jahre im Geschäft sind, häufig nur noch solide Kost bereiten, was nicht selten mit einem diplomatischen „Sie können es immer noch“ kommentiert wird, überraschen Helloween mit einem äußerst packenden, abwechslungsreichen, spannenden und kurzweiligem Album, das auch Musikfans außerhalb der Genre-Grenzen Speed-Metal und Metal begeistern könnte.

Die Band agiert auf „7 Sinners“ ausgeschlafen, frisch und kraftvoll, dass es eine Freude ist. Irgendwelche Alterserscheinungen, die zu Abstrichen in der musikalischen Darbietung führen könnten, sind nicht im Ansatz erkennbar. Helloween überzeugen durch Reife und Spielfreude, die Musiker wissen was sie können und tun, und das ist weit über dem Durchschnitt, eine Abliefer-Routine-Mentalität scheint die Band nicht zu haben. Man hat vielmehr den Eindruck, dass Helloween die Produktion dieses Albums für sich als Herausforderung begriffen haben, auch nach so vielen Jahren etwas wirklich Brillantes in die Spur zu bringen, statt nur ihren Job professionell zu erledigen.

Die 13 Songs auf „7 Sinners“ sind ideenreich komponiert, gut strukturiert, unterstreichen, wie anspruchsvoll Metal-Musik arrangiert und gespielt werden kann, kommen aber immer auf den Punkt. Klare, schöne Melodielinien und griffige Refrains die mitunter Ohrwurmcharakter haben, wie etwa bei „Who Is Mr.Madman?“ Hier geht es nicht um Muskelspiele, um Posing oder das bloße Umsetzen roher Energie in Musik, nicht um Hochgeschwindigkeits-Geballer mit dem Ziel, den Hörer zu überrollen, „7 Sinners“ ist vielmehr ein sehr intelligent gestaltetes Album. Die spielerische Virtuosität fernab irgendwelcher Frickelorgien macht Spaß, die Gitarren harmonieren großartig, vielfach mehrstimmig, gesanglich präsentiert sich Andi Deris voll auf der Höhe, während Drummer Dani Löble die Band mit seinem hochenergetischen, temporeichen und technisch exzellentem Spiel ordentlich antreibt.

Wer Helloween bislang nur namentlich kannte, normalerweise kein eingefleischter Metal-Fan ist, gern aber filigrane, härtere, authentische Rockmusik mag, könnte mit „7 Sinners“ diese herausragende Band für sich entdecken. Dass es bei den Live-Shows im Rahmen der Helloween-Tour Anfang Februar auch in den Clubs und Hallen Deutschlands schweißtreibend zur Sache gehen dürfte, darüber dürfte schon nach dem ersten Hören dieser CD kein Zweifel bestehen. Viele Metal-Parties in gut gefüllten, wenn nicht gar ausverkauften Spielstätten können erwartet werden.

Ein großartiges Album einer sich grandios präsentierenden Band.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.helloween.org

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Helloween - Keeper Of The Seven Keys - The Legacy (2005)
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