Gehört und Gesehen - Melancholia

28.10.2010Seedcake

Seedcake

Melancholia

Fuego / Timezone Distribution (2010, CD)

Neun Jahre sind seit der ersten Demo “Where Do We Go” vergangen, nun erscheint mit “Melancholia” das vierte volle Album der Göttinger Band Seedcake. Wenn man sich dann noch den Tourkalender der Alternative-Rocker anschaut wird klar: Hier meint es jemand ernst. Im Pressetext ist von ausbleibendem Erfolg die Rede und von der trotzdem anhaltenden Liebe zur Musik. Die Liebe hört man “Melancholia” sofort an – und den Erfolg wünscht man dieser Band gleich im Anschluss.

Die gesammelte Wut der letzten Jahre entlädt sich gleich im Opener “The Walls”: “How much caviar will fit into your greedy mouth / How much money can you make from the suffering of people” singt Frontmann Hage – ob damit die Plattenbosse gemeint sind, die diese Band bisher übersehen haben, oder ob es ein allgemeiner Aufschrei ist, das bleibt sein Geheimnis. In jedem Fall leitet der Song das Album gekonnt ein und gibt die Marschroute vor: Düstere Melodien, aggressive Gitarrenarbeit – und wie immer die Stimme, die ein wenig an Placebos Brian Molko erinnert. Mit dieser Musik haben andere vor knapp fünfzehn Jahren Millionen verdient.

Doch Seedcake sind mehr als das: Die Single “Anymore” eignet sich definitiv für die Tanzfläche, hier fehlt im Grunde nur die eine ganz große Hookline, dann könnte sich hier ein richtiger Indie-Hit entwickeln. “We will never meet again like parallel lines” ist wohl eine der schönsten Zeilen des Albums. Der Song dazu, “Parallel Lines”, kann ebenfalls voll überzeugen: Sehr spannende Harmonien und eine weibliche Gastsängerin machen die Nummer zum Highlight. Und hier blitzt auch mal eine extrem eingängige Hookline hervor.

Auch “Free” hat so eine Hookline und kommt insgesamt sehr episch daher. Eine super Nummer, gerade auch weil sie so simpel wirkt. Danach klingt “Everything Must Go” mit seinem extrem treibenden Beat und zahlreichen Breaks etwas hektisch – und zeigt damit die Bandbreite von Seedcake auf.

Wer ein wenig Zeit mitbringt und sich auf den Sound der Band einlässt, der findet auf “Melancholia” eine ganze Kiste voller Perlen. Selbst wenn die Plattenbosse auch dieses Album der Göttinger ignorieren.


Paul Schüler
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.seedcake.de
www.fuego.de

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