Gehört und Gesehen - Bare Bones - Live

28.10.2010Bryan Adams

Bryan Adams

Bare Bones - Live

Universal Music (2010, CD)

Jetzt, Ende Oktober 2010, ist nicht wenigen Menschen herbstliches Kuscheln ein sehr angenehmer Zeitvertreib. Die passende Musik zum heißen Tee auf dem heimischen Sofa bei Gebäck und einem lieben Mensche im Arm könnte Bryan Adams mit seinem Akustik-Live-Album „Bare Bones“ liefern.

Nun beschränkt sich der kanadische Rockstar auf diesem Album keineswegs auf seine Schmuseballaden wie „Please Forgive Me“ oder „Straight From The Heart“, aber im auf Akustikgitarre, Pianobegleitung (geliefert durch Gary Breits) und Gesang reduziertem Arrangement kommen auch Rocker wie „Summer Of ´69“ oder „It´s Only Love“ in deutlich gemütlicherer Stimmung rüber als vollverstärkt mit kompletter Band.

Bis auf vielleicht „Run To You“ fehlt kein Hit des Sängers, Songschreiber und Gitarristen. Insgesamt 20 Songs umfasst dieses Album, das im Rahmen der „Bare Bones“-Live-Tour, die bereits im Jahr 2008 startete, entstanden ist.

Bryan Adams und sein Keyboarder Gary Breits legen hier ein sehr solides und passables Konzert hin. Dass alle Songs auch akustisch gut funktionieren ist kaum ein Wunder, schließlich seien die meisten Lieder auf der Akustikgitarre entstanden, wie Adams erklärt. Welchen Stellenwert der Kanadier seit den 1980er-Jahren in der Rockmusik hat, wird bei der Fülle an Hits und bekannten Songs hier nocheinmal deutlich unterstrichen. Gänsehaut-Balladen, Ohrwurmmelodien und unkomplizierte Texte voller Romantik mit dem Hang zum Kitsch. Aber warum soll man es kompliziert und verschachtelt ausdrücken, wenn der Wunsch ein direkter und von simpler Natur ist: „Baby, You´re all that I want, when you´re lyin´ here in my arms (…) (aus „Heaven“) ist eine klare Ansage die in den Jahren 1985 und 1986 bei allen ankam, die in irgendeiner Form verliebt waren, ob nun glücklich oder unglücklich war dabei unerheblich.

„Heaven“ zählt wohl zu den besten Songs, die Bryan Adams je geschrieben hat und den er auch auf diesem Album im einfachen Akustik-Arrangement ordentlich präsentiert. Allerdings –und das gilt für die meisten Stücke auf „Bare Bones“ – ohne sonderlich zu glänzen. Adams liefert gekonnt ab, ohne die Chance zu nutzen, den Songs in den akustischen Arrangements etwas ganz Besonderes, Spezielles zu geben.

Es gibt Künstler wie Jackson Browne, die solo und akustisch ihre von Bandarrangements bekannten Songs, ungeheuer feinfühlig und intensiv darbieten, so dass diese fast zu völlig eigenständigen Versionen werden. Bei Bryan Adams wirkt das dann doch anders, soll heißen „schlichter“.. Adams scheint immer irgendwie einen auf Stimmungskanone machen zu wollen, auch in den ruhigen Momenten kommt immer wieder der Rocker durch, der mehr auf den Faktor Unterhaltung als auf fragile Kunst setzt.

So hätte es durchaus die Möglichkeit gegeben, das angeführte „Heaven“ lediglich mit ausgefuchst arrangiertem Piano und ein wenig variiertem Gesang zu bringen, Bryan Adams entschied sich jedoch, diesen Song zusätzlich mit einer schleppenden Akustikgitarre im Viervierteltakt zu begleiten, was dieser Akustikversion doch etwas Banales gibt. Soll man hier rhythmisch sanft mitklatschen? Schade, hier und auch bei anderen Songs wäre mehr drin gewesen, wenn man sie akustisch „umstrickt“.

Wegen der Vorhersehbarkeit und auch Durchsichtigkeit gerät „Bare Bones“ auf die Dauer auch ein Stück weit zu lang. Unterm Strich dennoch ein hübsches, gut durchhörbares Album ohne Schnörkel aber auch ohne ganz große Höhepunkte.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.bryanadams.com

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