Gehört und Gesehen - Bona Drag - Neu-Edition

15.10.2010Morrissey

Morrissey

Bona Drag - Neu-Edition

EMI (2010, CD)

Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1987 war Steven Patrick Morrissey Leadsänger der erfolgreichen und einflussreichen britischen Indie-Band The Smiths. Das dürfte den meisten Musikkennern soweit bekannt sein. Im Anschluss startete der Sänger als Morrissey eine Solokarriere.

1990 erschien „Bona Drag“, das seinerzeit zweite Solo-Album des Künstlers. Eigentlich war „Bona Drag“ eine Compilation, denn das Album enthielt neben der damals neue Single, dem Album-Opener „Piccadilly Palare“alle sechs zuvor erschienen Singles sowie einige B-Seiten und Maxi-Tracks aus den Jahren 1988 – 1990. Trotz dieses Umstandes (oder gerade deswegen?) avancierte „Bona Drag“ zum Klassiker.

Jetzt, im Jahr 2010, kommt das Album in einer remasterten Neu-Edition erneut auf den Markt. Zu den 14 Songs des Original-Albums gesellen sich auf dieser Neu-Edition noch sechs Bonus-Tracks. Zahlreiche seltene Fotos im Booklet könnten die neue Album-Fassung für eingeschworene Fans von Morrissey zum begehrten Sammlerstück erheben.

Die Musik auf diesem Album ist tief in den Achtzigern verwurzelt, das beginnt beim sauberen, soften Sound und endet beim romatisch-weichen gefühlvollen Gesang Morrisseys. Das wirkt immer ein wenig verträumt und auch mal melancholisch. Das Timbre der Stimme, den Schmelz Morrisseys muss man mögen. Man kann sich darin verlieben oder kann den Stil auch weniger mögen.

Ebenso die Songs an sich, die aber zweifelsfrei offenbaren welchen Einfluss sowohl The Smiths als auch Morrissey mit seinen Solo-Werken auf eine Vielzahl Ende der Achtziger Jahre gegründete Gitarren-Pop-Bands mit Indie-Appeal hatte.

Die Songs lassen, durch die heute moderne Indie-Brille betrachtet, die gewissen Portionen Härte, Drive und Biss vermissen, haben aber –kompositorisch- zuweilen dennoch Ecken und Kanten, auch wenn das beim oberflächlichen Hören zunächst gar nicht so wirken mag. Von der Produktion ist das, was Morrissey anbietet saubere Pop-Musik, die nicht weh tut, die eher schon einlullt, die den Besucher von Discos, Bars und Clubs leicht wie eine Feder schwebend auf die Tanzfläche führt, Musik die man eher zum kühlen Longdrink oder Cocktail in einer hippen Szene-Location genießt, als zum Bier im Rockclub.

Musik die speziell die Damenwelt verzaubern zu vermag ist das ebenfalls und auch Morrissey selbst war –die Booklet-Fotos zeigen das- seinerzeit ein ziemlich adretter Bursche, der tendenziell ein wenig an den dann später gestarteten Robbie Williams erinnert. Rein äußerlich natürlich. Ein Frauentyp also, keine Frage.

Eine durchaus lohnenswerte Platte mit feinen Kompositionen. Für einige Musikfreunde vielleicht etwas dünn von der Instrumentierung, vom Sound, von der Produktion, aber dies hier ist eben auch kein Rock´n´Roll, sondern einfach „schöner“, essenzieller britischer Indie-Pop mit mehr als 20 Jahren auf dem Buckel.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.itsmorrisseysworld.com
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