Gehört und Gesehen - Toner und Blut

25.09.2010Moabit

Moabit

Toner und Blut

Eigenproduktion (2010, CD)

“Entfernte Lichter spenden uns kein Licht / Alles und nichts ist alles und nichts.” So beginnt die Reise nach Moabit – es soll eine weite, manchmal bedrückende, manchmal kitschig schöne Reise werden.

Moabit ist ein anspruchsvolles Projekt. Keine Band, die irgendwelchen Einflüssen oder Vorbildern hinterher rennt, sondern ein Ventil für die zahlreichen Ideen ihrer Mitglieder. Für die hoch poetischen, zumeist recht düsteren, beklemmenden Texte ist Schlagzeuger und Songwriter Steffen Alexander Röhrs verantwortlich, musikalisch bringt sich die ganze Band ein. Was auf der EP “Toner und Blut” zu hören ist, klingt auf jeden Fall nach viel Arbeit im Proberaum, nach sehr viel Feintuning.

Gerade weil bei Moabit eher die stillen Songs im Vordergrund stehen, kommen die ausgefeilten, so noch nicht gehörten Arrangements besonders gut zur Geltung. Auch der Gesang kann hier als Instrument gewertet werden – und auch hier gehen Moabit einen eigenen Weg. Zu Sänger Hendrik Hellwinkel gesellt sich oft Keyboarderin Greta Kaufeld. Dieser zweistimmige Gesang, diese beiden völlig unterschiedlichen Klangfarben machen den Sound von Moabit unverwechselbar, geben den Songs eine ganz eigene Leichtigkeit. Stets schwingt dabei jedoch das ungute Gefühl mit, dass diese heile Klangwelt kurz vor dem Zerbrechen steht, eine kaum auszuhaltende Spannung entsteht.

Trotz der erwähnten Eigenständigkeit kann man natürlich dennoch versuchen, Moabit auf der Landkarte der zeitgenössischen Musik zu verorten. Wahrscheinlich würde es irgendwo zwischen Großbritannien und Weilheim liegen. Aber die Ländereien dazwischen sind weit – und Moabit haben sich ein eigenes kleines Fleckchen erobert.



Paul Schüler
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/moabitmusik
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite