Gehört und Gesehen - Hands All Over

17.09.2010Maroon 5

Maroon 5

Hands All Over

A & M Records / Octone (2010, CD)

Bemüht man die Historie der US-Band Maroon 5, dann lernt man, dass es sich um eine Rockgruppe handeln soll, die ihre Wurzeln im Grunge-und Garage- Rock hat. Wenigstens zu der Zeit, als man unter dem Bandnamen Kara´s Flowers aktiv war, aus denen Maroon 5 hervorging. Das ist lange her und mittlerweile –nimmt man das neue Album „Hands All Over“ als aktuelle Referenz- spürt und hört man so gut wie gar nichts Rockiges mehr von den fünf Musikern.

„Hands All Over“ ist ein Album, das man in der internationalen Musikbranche in die Kategorie „Industrieprodukt für die breite Masse zur unanstrengenden Unterhaltung“ stecken kann.

Die Songs auf dem Album pendeln stilistisch zwischen Soul, R´n´B, Disco, Funk und Pop. Musikalsich kommt die Band adrett und groovig auf den Punkt, liefert Melodien und Rhythmen wie man es auch seit Jahren von anderen Major-Künstlern aus dem Mainstream kennt. Hier scheint die Absicht mehr in Richtung Unterhaltung, manchmal auch in Richtung Nebenbei-Berieselung zu gehen, als nun ein künstlerisch besonders ausgefeiltes und profiliertes Bild zu schaffen.

Der Großteil der Songs auf „Hands All Over“ scheint wie gemacht für das Programm großer Radiostationen, eignet sich für die dezente After-Work-Party genauso, wie zum Late-Night-Cocktail-Schlürfen in irgendeiner schicken, aber nicht sonderlich szenigen Nachtbar oder Diskothek. Handwerklich wird ordentlich abgeliefert, kaum etwas stört oder eckt gar an. Fans von Acts wie Wham! oder Simply Red hätten sicher auch an Maroon 5 anno 2010 ihre Freunde. Wer einen flotten Disco-Fox auf´s Parkett legen will, findet auf der Platte genauso viel Material, wie der Hörer, der gut gelaunt und mit einem Lied auf den Lippen am Freitagmittag die letzten Büroarbeiten erledigt, in freudiger Erwartung auf das Wochenende mit Freund, Freundin oder Familie.

„Hands All Over“ wirkt durch und durch kommerziell angelegt, was im Prinzip nicht schlimm ist, teilweise tendiert das Ganze aber gen Langeweile. Die Platte ist insgesamt ziemlich glatt, unspannend und vorhersehbar.

Geht das Album insgesamt zwar als lockere, nette wenn auch etwas biedere Unterhaltungsmusik durch, wird es dann zum Ende doch ziemlich bitter: Maroon 5 wagen sich an eine Cover-Version des Queen-Klassikers „Crazy Little Thing Called Love“. Die Instrumental-Fraktion musiziert bei diesem Titel zwar noch ganz ansprechend, der aber von jeglichem Rock´n´Roll-Gefühl befreite ziemlich quäkig-knödelig gepresste Leadgesang hinterlässt dann aber leider einen nachhaltig unangenehmen Eindruck, wie ihn sonst höchstens mittelmäßige Cover-Bands auf irgendwelchen Stadtfesten hinterlassen. Furchtbar und überflüssig zugleich.


Andreas Haug
(4 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.maroon5.com
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