Gehört und Gesehen - Das Wird Einmal Dir Gehören

09.09.2010Herrenmagazin

Herrenmagazin

Das Wird Einmal Dir Gehören

Motor / Rough Trade (2010, CD)

Ein Herrenmagazin ist ja eigentlich eines dieser Magazine, das man nur selten beim HNO-Arzt im Lesezirkel-Mantel findet. Bestenfalls ein unverklebtes – pardon – „Tittenheft“, im schlimmsten Fall eines dieser Heftchen mit zehn Workout-Tipps für einen straffen Sixpack Bauch und dem Versuch dem durchschnittlichen Mann zu erklären, wie er die weibliche Psyche derart bescheißen kann, dass er die schnieke Perle doch noch in die Kiste kriegt.

In diesem Fall ist Herrenmagazin ein Stückchen Musik. Aus Hamburg, aber das ist den Kollegen egal. Mit Plattenvertrag! Das ist Ihnen auch egal. Naja, ein bisschen stolz sind sie vielleicht schon. Derart unangepasst durchs lustige Musikerleben zu tingeln und trotz vergoldetem Kuli in der Westentasche immer noch ehrlich und unverbraucht Musik machen zu können, ist ja auch nicht ganz typisch.

Die Vier machen auf „Das Wird Alles Einmal Dir Gehören“ alles genau so, wie man es von Bands wie Kettcar, Madsen oder Tocotronic schon kennt. Rotzig-frecher, aber trotzdem Schwiegermutter-tauglicher Gesang, perlige Telecaster Riffs, tanzbare Midtempo-Beats. Natürlich funktioniert das und macht teilweise sogar richtig Spaß. Die Band wird für Liebhaber dieses Genres eine hübsche Bereicherung sein. Und selbst dem, besonders bei deutscher Indie-Mucke sonst so kritischen Rezensenten, zuckt ab und zu mal der Fuß. Bestimmt nur eine kurzzeitige, motorische Störung!

Highlights dieses Albums sind neben dem kurzweiligen, treibenden „Gold Für Eisen“ vor allem „Fahne“ und „Krieg“. Diesen Melodien kann man sich schwer entziehen. Sänger Deniz Jaspersen schreibt authentische Texte, denen man gerne auch mal länger zuhört ohne in Fremdscham auszubrechen („Alle Sind So“). Und je länger ich zuhöre, desto klarer wird mir, dass es eigentlich keinen Grund, warum diese Band nicht erfolgreich sein sollte. Innovativität wird sowieso in den seltensten Fällen erreicht. Vielleicht reicht ja auch, dass es verdammt gut gemacht ist.

Fazit: Man kann versuchen Herrenmagazin(e) nicht zu mögen, einfach ist das aber nicht.


Jan Hagerodt
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.herrenmusik.de
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