Gehört und Gesehen - First Aid

28.08.2010The Pauls

The Pauls

First Aid

Eigenvertrieb (2010, CD)

„Ach Du heilige Scheiße!“ Das ist der erste Gedanke, der mir (zugegebenermaßen relativ häufig) in den Sinn kommt. Dieses Mal liegt es allerdings an dieser Berliner Band, die hier vor mir liegt. Wer sich „The Pauls“ nennt und mit einer Pressemappe um die Ecke kommt, die aussieht, als hätte man sie vom Versicherungsvertreter seines Vertrauens bekommen und könnte auf der Rückseite gleich seine private Altersvorsorge abklären, der kann ja eigentlich nix sein, oder?

Aber Schluss mit dem Gemecker, hören wir doch mal rein. „Loves Arrow“ bollert kräftig los und möchte gerne ein Rocksong sein. Man hört hier aber schon die stilistische Zerrissenheit der Band. Offensichtlich wollen einige Mitglieder Popmusik machen, die anderen möchten lieber Rockstars sein. In guten Momenten erinnern die Songs ein wenig an Fury in the Slaughterhouse, die konnten sich ja auch nie so ganz entscheiden. Die Stimme des Sängers erinnert ebenfalls stark an Kai Wingenfelder und das sage ich nicht nur, um die Hannoveraner Szene rauszukehren.

Die Band fischt aus einem Teich, der viele gute Ideen beinhaltet und macht ihren handwerklichen Job gut, besonders wenn man die kurze Bandgeschichte im Hinterkopf hat. Was fehlt, ist eine klare Linie der Musikrichtung, die man machen möchte und ein Festbeißen an den wirklich guten Ideen. The Pauls wollen häufig zuviel auf einmal und zerstören damit gute Ansätze. Ein typisches Problem, an dem junge Bands kranken. Ein fehlender eigener Stil wird mit dem Argument „Abwechslung“ gerechtfertigt. Das ist aber ganz normal und auch gar nicht schlimm. Ein Song wie „Cowboy Boots“ ist ein gutes Beispiel wie es funktionieren könnte. Der Song klingt zwar wie eine düstere Abwandlung einer Keane Ballade, trotzdem gelingt hier der Sprung in die Eigenständigkeit. Auch „Facelift Cars“ und „Eyes Of A Blind“ sind schöne Nummern, aus denen man was machen kann.

Insgesamt ist „First Aid“ zwar ein sehr durchwachsenes Debütalbum, aber eines, das viele gute Ansätze zeigt und Luft nach Oben erahnen lässt. Und für ein erstes Album haben die Berliner Jungs schon sehr viel richtig gemacht. Nur die schwule Pressemappe sollte schleunigst in die Tonne wandern, denn egal ob nun Stadionrocker oder Radiopopper, ein bisschen mehr Rock´n Roll darf es dann schon sein.

Fazit: Eine Band, die man im Auge behalten sollte. Für Fans von britpoppiger Rockmusik evtl. eine interessante Neuentdeckung.


Jan Hagerodt
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.thepauls.de
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