Gehört und Gesehen - And Miles To Go Before I Sleep

06.08.2010Ghost Of A Chance

Ghost Of A Chance

And Miles To Go Before I Sleep

Midsummer Records / Cargo (2010, CD)

Jetzt ist es raus: Der Heiland kommt aus Kaiserslautern! In diesem Fall heißt der gute Mann mit Vornamen Tobias. Er wuchs zweisprachig in der Nähe der amerikanischen Militärhochburg Ramstein auf, wohnt mittlerweile allerdings in Mainzelmännchenhausen und tritt unter dem Namen Ghost Of A Chance auf.

Mainz steht nicht unbedingt für innovative Singer/ Songwriter, insofern steigt die Spannung in unermessliche Höhen beim Einlegen des zehn Tracks umfassenden Albums. Der Titel „And Miles To Go Before I Sleep“, klingt nicht unbedingt nach positiver Aufbruchsstimmung und genauso wenig klingen Heilands Songs danach. Man meint herauszuhören, wie der Rucksack des Künstlers mit jedem schlurfenden Schritt ein wenig schwerer wird.

Die Straßen sind „entmenscht“, ein Hund pinkelt an eine Abfalltonne vor einem Gebrauchtwarenladen. Der Sänger leitet uns jedoch mit der Intensität seiner Stimme stetig weiter. Schicke Töne entweichen der gemarterten Kehle. Töne, die einen gefangen nehmen können, wenn man sie lässt. Bei der gefühlvollen Intonation erahnt man nicht, dass Tobias Heiland seine ersten Sporen als Shouter von Hardcore- Kapellen verdient hat.

Die Songs sind mit vielen netten Ideen gespickt, insgesamt jedoch sehr gleich gestrickt. Das ist zwar eine einheitliche Linie, leider aber auch manchmal ein bisschen zu eintönig. Positiv fallen vor allem die Songs „Sleeping With The Lights On“, „Transatlantic“ und „Hideout“ auf, letzteres mit schönem Damengesang veredelt. Wer auf die melancholische Grundstimmung von Sängern wie Chris Martin oder Michael Stipe abfährt wird auch Ghost Of A Chance ins Netz gehen.

Für viele Hörer wird Tobias Heiland leider ein weiterer, langweiliger Depri-Poet sein, der der Welt mit seinen traurigen Alltagsgeschichten auf den Sack geht. Für mich liefert er eine ganz besondere Note in einem längst übersättigten Markt, die noch lange in meinen Gehörgängen nachhallt.

Fazit: Melancholie und Herzblut bestimmen ein interessantes Album.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/aghostofachance
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