Gehört und Gesehen - For All These Days

24.07.2010Blakvise

Blakvise

For All These Days

Headroom Records / Zebralution (2010, EP)

Bereits 2009 im hannoverschen Institut für Wohlklangforschung aufgenommen, erscheint jetzt, Ende Juli 2010, die fünf Songs umfassende EP der Band Blakvise auf dem britischen Label Headroom Records. Dieser Deal wurde Anfang des Jahres eingetütet.

Wie auch bei einigen anderen Newcomern aus Hannover, so ist auch bei Blakvise eine stetige Weiterentwicklung in Richtung Professionalität zu beobachten, sei es bei Live-Shows auf der Bühne oder –wie im Fall dieser EP- mit den Studioaufnahmen.

„For All These Days“ ist eine absolut runde und überzeugende Platte geworden, hervorragend warm und druckvoll und mit zum Teil recht ausgefuchsten Arrangements produziert.

Ein Pluspunkt ist, dass Blakvise mit dieser EP ähnlich viel Energie versprühen, wie live auf der Bühne. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Band ihren eigenen Stil und Sound weiter herausgearbeitet hat und neben temporeichen melodischen Punk-Prog-Rock-und Hardcore-Songs auch mit einer Ballade wie „When Memories Collide“ zu gefallen weiß. Bei diesem Titel kommt ein echter Flügel zum Einsatz. Hört man die Platte aufmerksam mit dem Kopfhörer, dann sind sogar die Tastenanschläge zu hören.

Das ist aber noch lange nicht alles, wenn man sich mit den Aufnahmen etwas näher beschäftigt. Charakteristisch für den Bandsound sind auch die nicht selten sehr feinfühlig arrangierten zweistimmig eingesetzten Solo-Gitarren, die wunderbar und teilweise fast schon virtuos durch das Stereobild fliegen

Was der EP insgesamt ein stimmiges Klangbild und dem Ganzen eine feine „roughe“ Härte gibt, ist die fast schon analog wirkende Produktion. Die Musik, wie sie Blakvise hier spielt, würde sich wahrscheinlich auch auf Vinyl sehr gut machen.

Es scheint so, als hätten Band und Produzent hier alles richtig gemacht, denn eine auf gekünstelte Brillanz mit unnatürlich knallendem Schlagzeug hochgezüchtete Industrieproduktion hätte Blakvise wohl weniger gut zu Gesicht gestanden.

Die Band demonstriert auf dieser CD eine überdurchschnittlich hohe Musikalität, bewegt sich von den mitunter komplexen Songstrukturen zwischen Progressive-Rock, treibendem Rock und Hardcore. Das erinnert im Ansatz oftmals sehr an Coheed & Cambria, wie die auf ihrem Album „In Keeping Secrets Of Silent Earth“ zu Werke gehen. Ein großer Unterschied: Der Leadgesang von Blakvise-Sänger Jochen Gros schraubt sich (zum Glück) nicht in die beinahe schwindelerregenden Höhen wie der von Claudio Sanchez.

Mit „For All These Days“ deuten Blakvise an, dass sie wahrscheinlich eine gute Album-Band abgeben könnten, die auf Nachhaltigkeit und nicht auf schnelle Single-Hit-Erfolge setzt. Ein Single-Hit drängt sich auf dieser EP nämlich so schnell nicht auf und in dieser Richtung liegt auch noch ein kleines Manko: Die fünf Songs sind allesamt gut hörbar, gehen aber nicht sofort ins Ohr um sich dort länger festzusetzen.

Was hier einigen Hörern fehlen könnte, sind wirklich packende Hooks, glänzende, herausragende, vielleicht sogar leicht hymnisch angehauchte Refrains zum Mitsummen oder Mitsingen. Wenn die Entwicklung von Blakvise so weitergeht wie in den vergangenen rund anderthalb Jahren, ist mit solchen Songs in nicht allzu ferner Zukunft aber sicher noch zu rechnen.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.blakvise.de

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Blakvise - Firmament (2012)
Blakvise - Butterflies & Hurricanes (2009)
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