Gehört und Gesehen - American Slang

24.06.2010The Gaslight Anthem

The Gaslight Anthem

American Slang

Sideonedummy / Cargo (2010, CD)

Um eine goldene Zukunft des Rock´n´Roll muss man sich kaum Sorgen machen, wenn man das neue Album der US-Band The Gaslight Anthem auf sich wirken lässt. Die Band, die sich erst im Jahr 2005 gründete und im Jahr 2007 ihr Debütalbum herausbrachte, macht auf „American Slang“ einen sehr runden und reifen Eindruck. Eine Band, die mit diesem Album sowohl jüngere Hörer als auch altgediente Rock´n´Roll Fans begeistern dürfte, weil sie einfach relativ straighte, melodische Rockmusik auf Basis eines soliden, traditionellen Songwritings anbietet.

The Gaslight Anthem bewegen sich zwischen klassischem Singer-/Songwriter- Gitarren-Rock´n´Roll, Melodic Punk-Rock, Soul und Post-Punk.

Einflüsse und Inspirationen werden auf „American Slang“ mitunter überdeutlich. Bruce Springsteen, Bruce Springsteen und nochmal Bruce Springsteen, so wie „The Boss“ in den Siebzigern unterwegs war. Teilweise könnte man Springsteen´s kongenialen Partner Steve van Zandt, der als Little Steven auch einige bemerkenswerte Solo-Werke veröffentlichte ins Feld führen oder aber auch –mit Abstrichen- Bands wie The Clash.

„American Slang“ ist sehr abwechslungsreich, luftig, lebendig und kurzweilig. Mit einer Spielzeit von etwas mehr als 34 Minuten vielleicht ein wenig zu kurz geraten. Die Produktion liebäugelt mit Soundgewändern von LPs, die in den späten Siebzigern entstanden sein könnten, alles klingt sehr warm und analog. Auch kleine Details, wie einige Solo-Gitarrensounds à la –pardon Wiederholung- Springsteen-Telecaster sorgen für jede Menge Retro-Charme. Im Gegensatz zu dem sehr brillant, fett und beinahe aufgemotzt klingenden Album „White Crosses“ von Against Me!, auf dem Tom Gaebel & Co. mindestens mit „Because Of The Shame“ ebenfalls der Musik und Spielart von Bruce Springsteen huldigen, kommt „American Slang“ zurückhaltender, weniger knallig dafür eher locker und leicht herüber.

Trotz aller sehr offensichtlicher Referenzen bewahren sich The Gaslight Anthem am Ende doch eine gewisse Eigenständigkeit. „American Slang“ ist gut und angenehm durchhör, unter dem Strich ein sehr schönes und überzeugendes Album mit dem die Band um Brian Fallon, Benny Horowitz, Alex Levine und Alex Rosamilia auch verdeutlicht, dass sie ihr Pulver noch nicht verschossen hat. „American Slang“ ist erst das dritte Album von The Gaslight Anthem, da bleiben noch einige Optionen nach oben offen um vielleicht mal zu einer wirklich großen Band zu werden, die sich später vielleicht mal auf Augenhöhe mit den musikalischen Vorbildern bewegen kann. Soweit ist es derzeit aber noch nicht.

Für den kommenden Langspieler möchte man Brian Fallon & Co. gern raten, sich von Album- Klassikern wie „Darkness On The Edge Of Town“, „The River“ (beide Springsteen), „Recovering The Satellites“ (Counting Crows) und “London Calling” (The Clash) inspirieren zu lassen und dabei dennoch nicht den eigenen Stil ganz aus den Augen zu verlieren und hier und da ruhig mal etwas mehr Punk-Rock zu schrubben.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.thegaslightanthem.com
www.sideonedummy.com

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The Gaslight Anthem - The ´59 Sound (2008)
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