Gehört und Gesehen - London Days

17.06.2010B.B. And The Blues Shacks

B.B. And The Blues Shacks

London Days

Crosscut Production / In-Akustik (2010, CD)

“Die BB´s sind wohl die beste Blues Band, die ich in Deutschland je gehört habe”, wird niemand Geringeres als Götz Alsmann auf der Website der Hildesheimer Band B.B. And The Blues Shacks zitiert. Das ist ja schon mal ein Pfund.

Ebenfalls mehr als beachtenswert ist die Tatsache, dass die Band jährlich rund 150 Konzerte kreuz und quer in Europa spielt und auch mal den Sprung über den großen Teich, in die USA wagt, wo man 2008 beim kalifornischen Doheny Blues Festival neben Größen wie Bonnie Raitt, Robert Cray oder Little Feat auftrat.

Das lässt auf eine erlesene Qualität schließen, die B.B. And The Blues Shacks auf „London Days“ auch abliefern und das auf musikalisch hohem Niveau. Blues hat in den letzten Jahren (leider) schon einen grauen und fusseligen Bart bekommen, was daran liegen mag, dass immer noch zahlreiche Feierabenrocker in allen möglichen Kneipen, in Biergärten oder auf Stadtfesten Blues-Songs wie ausgelutschte Oldies als Begleitung zum Salamie-Baguette oder zum Thunfisch-Salast vor „Sitzpublikum“ „heruntermucken“, dass es schier unerträglich geworden ist. „Hallo Freunde, einen ham´wa´noch…kennt ihr noch die alte Nummer von…“ Dadamm, Dadamm, Dadamm…und weg.

B.B. And The Blues Shacks treten zwar dann und wann auch mal in eher berüchtigten Früh-und Spätschoppen-Kneipen mit Live-Musik auf, sind aber aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Hier sind Profis am Werk.

Die Hildesheimer Band überrascht auf ihrem neuen Album sehr positiv. Die Band spielt eine Art Soul-Blues mit R´n´B-Einschlag, der extrem lässig, extrem groovig und manchmal auch fein swingend daherkommt. Großartiges Songwriting, großartiges, tightes Zusammenspiel, so, wie man es sonst eher von CD-Produktionen kennt, die ein gewisser Van Morrison für gewöhnlich abzuliefern pflegt.

Und hier ist auch ein Anknüpfungspunkt. Auf „London Days“, das –zum Titel passend- in einem Londoner Studio unter der Regie von Produzent Liam Watson (u.a. Elephant, White Stripes) entstanden ist, hat bei einigen Songs eine Bläser-Truppe mitgewirkt die sonst auch für Van Morrison arbeitet.

„London Days“, dessen Cover-und Booklet-Design im Übrigen sehr geschmackvoll geraten ist, entpuppt sich als Album internationaler Klasse, es kann fast schon als Meisterwerk des Blues/Soul/R´n´B-Genres bezeichnet werden. Wenn diese Band Blues spielt, ist der graue fusselige Bart ab, hier wird Blues knackig-frisch und dennoch traditionell serviert.

Musikfreude, die Acts wie den bereits angeführten Van Morrison oder auch John Mayall mögen, sollten „London Days“ von B.B. And The Blues Shacks mal in den CD-Player legen und sich diese obendrein unheimlich warm und organisch produzierte Platte gönnen.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.bluesshacks.com
www.london-days.info
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