Gehört und Gesehen - The Last Tycoons

17.06.2010The Last Tycoons

The Last Tycoons

The Last Tycoons

Tonetoaster (2010)

Ein Debütalbum einer Band aus Irland, die sich ganz der traditionellen Handmade-Musik verschrieben hat. The Last Tycoons bewegen sich zwischen Rock´n´Roll, Country-Rock, Singer-Songwriter-Style und irischem Folk-Rock. Mit diesem Ansatz kann man generell punkten, vor allem bei Konzerten, wenn ein feierlauniges Publikum unterhalten werden soll. Hier geht´s jedoch zunächst mal um das Studioalbum, dass in einem durchaus angenehmen Retro-Sound-Gewand gehalten ist.

Mit etwas Fantasie steigt dem Hörer irgendwann der Geruch eines Studios oder Proberaums in die Nase, eine Mischung aus warmgelaufenen Kofferverstärkern, Whiskey, Rotwein und ehrlichem Musikerschweiß. Neben E-Gitarre, Bass und Schlagzeug wimmert zuweilen eine 60s-Hammondorgel, erklingt ein angezerrtes Rhodes-Piano, finden Instrumente wie Mandoline, Akustik-Gitarre, Glockenspiel und Akkordeon Platz in den Songarrangements von The Last Tycoons. Die Band präsentiert sich spielfreudig, wenn auch nicht spielwütig. Songs wie der Opener „Speed“ rocken rund nach vorn und guter Tradition von Bands wie The Rolling Stones oder auch Lynyrd Skynyrd. Ein bisschen Slide-Gitarre, ein Früh-bis Mit-Siebziger Gesamtsound und schon geht´s los. Richtig flott und fein ist die Band auch bei „Good Times“ unterwegs, das in der Strophe eine gewisse Nähe zum typischen Songwriting von The Weakerthans aufweist.

Alles schön, alles hübsch, gut zu hören, wenn, ja wenn da nicht der mitunter sehr gewöhnungsbedürftige Lead-Gesang wäre, den man sich innerhalb der Last Tycoons aufzuteilen scheint. Mal geht der Gesang okay, allerdings wenn in einigen Songs die tiefe, dunkle, leicht auf verzweifelt-melancholisch getrimmte Stimme die Liedführung übernimmt, dann macht das Zuhören nicht wirklich Spaß. Was hätte ein Robert Forster mit seinem charakteristischen Timbre hier bei dieser Band gerissen?

Man muss die Messlatte bei The Last Tycoons wirklich mal höher legen, schließlich will die Band mit dieser Veröffentlichung auf den internationalen Markt und bald auch in Deutschland touren. Internationales Format hat der Gesang an vielen Stellen leider nicht, in diesem Punkt sollte die Band eventuell noch mal nachbessern, denn derzeit kommt sie mit diesem Album insgesamt nicht über den Status „sympathische, bemühte und ambitionierte Semi-Profi-Band im Aufbaustadium“ hinaus.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/thelasttycoons
www.tonetoaster.com
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