Gehört und Gesehen - Hätte, Wollte, Wäre, Wenn

05.06.2010Maschgold

Maschgold

Hätte, Wollte, Wäre, Wenn

Eigenproduktion (2010, CD)

Maschgold, eine neue, junge Band aus Hannover, zwei Damen (Gesang, Bass) und zwei Herren (Gitarre, Schlagzeug), stellt sich mit ihrem Debütalbum „Hätte, Wollte, Wäre, Wenn“ vor. „Das Quartett verpackt aktuellen Popsound in modernen Rock“, versucht es die Bandinfo auf den Punkt zu bringen und liegt damit – ziemlich daneben. Perspektivisch positiv betrachtet – daneben.

Lässt man den Bandnamen auf sich wirken, assoziiert man wohl am ehesten locker- leichten, vielleicht sogar leicht verträumten Gitarren-Pop mit friedlich-feinem Indie-Anstrich. Das trifft es dann auch nicht. Maschgold geben mit ihrem Album dem Hörer eine ungeschliffene und ziemlich harte Nuss zu knacken. Aktueller Popsound ist das ebenso wenig wie moderner Rock, dazu klingen die Ergebnisse der Verwertung der mit einem großen Füllhorn ausgeschütteten Ideen auf dem Album zu individuell, ja, fast schon zu eigenständig.

Es können nicht ansatzweise Vergleiche zu Bands gezogen werden die in die Rubriken „aktueller Popsound“ oder „moderner Rock“ fallen, viele Elemente, aus den mitunter sehr komplexen, kantigen Songs sind kleine Reminiszenzen an Rock-und Popmusik wie sie in unterschiedlichen Dekaden in den letzten 40 Jahren Jahren gespielt wurde. Das gilt sowohl für die Strukturen als auch für einige Instrumentensounds.

Auch in dieser Hinsicht sind die elf Eigenkompositionen als provokant zu bezeichnen, da in der Ausarbeitung bisweilen gängige Wege des Pop-und Rocksongwritings konsequent verlassen werden.

Nichtsdestotrotz ist „Hätte, Wollte, Wäre, Wenn“ im weitesten Sinn „deutschsprachiger Rock-Pop“. Punkt. Spannend, wenn eine Band, der man hohes kreatives und künstlerisches Potenzial attestieren mag, sich so unbeirrt auf ihre Weise auszudrücken traut und dabei durchaus ansprechende Songs abliefert, die aber eine Zeit lang brauchen, bis der Hörer damit warm wird. Aber warum auch gleich mit der Tür ins Haus fallen und Radiohits auftischen, das machen schließlich viele andere und da biedern sich Maschgold eben nicht an.

In den ansprechenden Texten reflektiert die Band auch schon mal unsere heutige Gesellschaft und deckt dabei manchen Widersinn auf. So etwas kennt man von anderen Gruppen in dieser Art und Weise auch nicht unbedingt. Ganz viel Respekt ist Maschgold für ihren Mut zu bescheinigen, wie den irrsinnig kruden Tempo-Wechsel in „Verrat“ und das Rückrat, Musik zu machen, die wirklich aus einem selbst kommt. Maschgold arbeiten offenbar an einem völlig individuell gestalteten künstlerischen Profil, ohne –zumindest bewusst- nach links oder rechts zu schielen, auf das, was andere Bands machen oder im professionellen Business gerade up-to-date oder „verkaufbar“ ist.

Dass die Songs,wie sie ausgearbeitet und auf dieser Platte produziert, noch ein gutes Stück weit entfernt sind von „kompakt“ „eingängig“ (oder auch „in sich richtig schlüssig“), mag zunächst irritieren, aber wirklich „schlimm“ ist das nicht. Vielleicht muss man sich zukünftig auch auf neue Hörgewohnheiten einstellen, denn wer weiß schon, wo die Musik in den nächsten Jahren hingeht?

Wer die Nuss im Ansatz geknackt hat, wird sowohl Bitteres als auch Leckeres schmecken. Schwieriges Album, auf dem Maschgold die Bandbreite von „Auweia“ über „Naja“ bis zu „Gefällig“ und „Interessant“ abdecken.

Einfach mal selbst hören und die Band im Auge behalten…


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.maschgold.de
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