Gehört und Gesehen - White Crosses

29.05.2010Against Me!

Against Me!

White Crosses

Sire Records / Warner Music (2010, CD)

Nach der herausragenden 2007er Album Veröffentlichung “New Wave”, mit herausragenden Songs wie „Stop!“, „Thrash Unreal“ oder dem straighten, hochenergetischen Melodic-Punk-Rocker „White People For Peace“ konnte das neue Album der US-Band Against Me! mit Spannung erwartet werden. Nun liegt die Scheibe vor und ist in ihrer Aufmachung, Produktion und was den Gesamtsound angeht nicht gerade der typische Nachfolger von „New Wave“. Against Me! machen auf „White Crosses“ nicht dort weiter, wo sie mit „New Wave“ aufgehört haben. Und daran müssen sich diejenigen, die die Band erst mit „New Wave“ kennen und sehr schätzen gelernt haben zunächst einmal gewöhnen.

Die ersten Gesamteindrücke: Against Me! haben, so wie sie sich auf „White Crosses“ präsentieren, nur wenig mit Punk-Rock zu tun, die Songs sind brillanter und gefälliger arrangiert wie produziert, was der Band zunächst mal den doch gewohnten Alternative/Underground-Charme nimmt. „White Crosses“ scheint auf ein Massenpublikum zu schielen und auf Einsatzmöglichkeiten einiger Songs im kommerziellen Radio, was ja auch nichts Schlechtes sein muss, aber im Vergleich zu „New Wave“ ein wenig irritiert. Tom Gaebel hat aber weiterhin ein gutes Händchen was das Songwriting angeht, viele typische wie charakteristische Tom-Gaebel-/ Against Me! Gitarrenakkordfolgen und Gesangsmelodien finden sich auf „White Crosses“ zuhauf. Einerseits klingt vieles vertraut, aber auf Grund der –von wenigen Ausnahmen abgesehen- mangelnden Experimentierfreude fehlt insgesamt die Abwechslung. Against Me! reiten ihr Pferd sehr gekonnt aber über weite Strecken auch immer den gleichen Stiefel, was auf die Dauer auch schon mal ermüden kann.

Und dann drängen sich dem langjährigen Musikhörer einige zum Teil leicht abstruse Vergleiche auf. Eine Auswahl: Der Opener, gleichzeitig der Titeltrack erinnert an Status Quo der Achtziger und Neunziger, dann wenn Francis Rossi singt und bei denen die Reihe an munterem melodischen Folk-Rock zum Mitsingen und Mitschunkeln ist und eine Lead-Gitarre eine adrett-fröhliche Melodie übernimmt. Gut, bei Against Me! gibt es noch eine Prise Punk, keine Sorge. Beim Komponieren oder Arrangieren von Track 3, „Because The Shame“ scheint irgendjemand im Team sehr viel Bruce Springsteen und seine E-Street-Band gehört zu haben, ein Chorus klingt beinahe schon wie eine Kopie, vielleicht soll es auch eine Ehrerbietung sein, das prägnante Glockenspiel der E-Street-Band inbegriffen. „Suffocation“ ist für jeglichen Punk-Rock-Ansatz viel zu komplex, liebäugelt im Chorus mit dem was 70er/80er-US-AOR-Bands massenhaft fabriziert haben, das folgende „We´re Breaking“ ist dagegen sehr flotter US-Mainstream-Pop-Rock zum gut gelaunten Autofahren auf langen Highways.

Aus dem Rahmen fällt als einer der wenigen Songs „Ache With Me“. Hier beackern Against Me! das Feld „Alternative-Country-Singer-Songwriter“ – mit Retro-Sound-Charme.

Der Melodic-Punk-Pop-Rockfan wird aber ebenfalls bedient und das gleich mit dem zweiten Song des Albums „I Was A Teenage Anarchist“, der vielleicht auch so ähnlich von Bands wie Anti-Flag, The Offspring, vielleicht sogar Green Day hätte kommen können.

Insgesamt bietet „White Crosses“ viel gutes und durchhörbares Songmaterial und geht musikalisch völlig in Ordnung. Etwas mehr Esprit und Abwechslung hätten der Platte aber auch gut getan denn irgendwie wirken einige Songs auch ein wenig zu bieder aufgezäumt.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/againstme

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Against Me! - New Wave (2007)
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