Gehört und Gesehen - Music Like Pictures

13.05.2010Lars Lehmann

Lars Lehmann

Music Like Pictures

DIY (2010, CD)

„Wie heißen die Typen, die immer mit den Musikern abhängen?“ Genau: Bassisten.
Solche und ähnliche Erniedrigungen müssen die dickbesaiteten Kollegen immer wieder über sich ergehen lassen. Doch von Ego-Problemen keine Spur, denn immerhin haben die Tieftöner ja einen gestählten Körper vom vielen Boxen schleppen. Pfui und Aus! Genug gelästert. Kommen wir zu dem wahren Grund dieser Rezension: Dem Album von Lars Lehmann.

Hannovers Bass-Export Numero Uno meldet sich nach der Veröffentlichung seines Buchs „Slap Attack“ nun auch audiomäßig zurück. Mit „Music Like Pictures“ präsentiert uns der geborene Bad Harzburger kein typisches Bass-Frickel-Album sondern einen interessanten Stilmix, auf dem er sein breites Können demonstrieren kann.

Natürlich wird auch mal mit breiter Brust gemuckt. Der Opener „Fat Whale“ wird mit schnellen Läufen und Slap Attacken nur so überschwemmt, dass es Zuhörern, die nicht mit einem Bass in der Hand auf die Welt gekommen sind, schon mal zu den Ohren rausquellen kann. Es sind eher die chilligen Nummern die mit wenig Tönen auskommen, die meine Aufmerksamkeit wecken. „I Want To Live“ ist so ein Song, bei dem Lars beweist, dass manchmal auch ein paar interessant gesetzte Akkorde reichen können um einen guten Bass zu spielen.

“Bassman“ (mit SPAX am Gesang) funktioniert ebenfalls ziemlich geil. Mit Peter-Fox-Rhythmik gespickt, grooved diese Nummer schon erdrückend gut. Obwohl Herr Lehmann ja eher ein Rhythmus-orientiertes Instrument bedient, beweist er ein gutes Händchen für Melodieläufe und funktionierende Songstrukturen, so dass „Music Like Pictures“ kein selbst-beweihräucherndes Mucker-Album geworden ist. Ein Nachteil dieses zwölf Tracks umfassenden Werkes ist leider die Tatsache, dass fast ausschließlich mit programmierten Drums gearbeitet wird. Das ist doppelt schade, weil man bei Songs wie „Get The Funk Out Ma Way“ merkt, wie viel geiler es mit einem richtigen Schlagzeug noch wirken könnte.

Wer einen Schnellüberblick über das flexible Können des Musikers bekommen möchte, sollte „Higher Love“ anspielen. Dort hat man auf 2:23min den Lars mal ganz für sich allein. Eine Tatsache über die sich die Familie aufgrund seiner vielseitigen Aktivitäten bestimmt mal freuen würde. Doch: Von nichts kommt ja bekanntlich nichts! Und wir freuen uns über das interessante Album eines fleißigen Ausnahmebassisten.



Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.larslehmann.com

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Britt Peters & Lars Lehmann - Rebirth (2003)
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