Gehört und Gesehen - Delayed Back

29.04.2010Noetics

Noetics

Delayed Back

State Of The Art Records (2010, CD)

Eigentlich könnte man das Bandinfo der Noetics an dieser Stelle direkt so übernehmen, denn treffender kann ich es auch nicht formulieren, was die feinen Herren nach langer kreativer Schaffenspause da auf Platte gebannt haben. “Den Soundtrack für eine Generation, die durch Live- und Clubkultur geprägt ist.“ Stimmt. Punkt, aus, fertig und Ende. Alles was hiernach noch kommt, ist lediglich der Versuch meinen eigenen, journalistischen Ansprüchen gerecht zu werden.

Die Schwierigkeit bei Instrumentalmusik besteht häufig darin, einen geeigneten Spannungsbogen zu erzeugen und trotz aller „Ausschweifereien“ den roten Faden nicht zu verlieren. Davon, dass der Band das live gelingt, konnte ich mich schon überzeugen und auch auf Platte funktioniert der Stilmix aus Rock, Dub und Psychedelic Trance in überragender Weise. Immer groovy, immer chillig, nie nervig im Vordergrund. Extrem talentiert eingesetzte Gitarrensounds bauen Klang-Kartenhäuser, bei denen man panisch bangt und hofft, dass sie nicht einstürzen mögen. Die Grooves sind vom Feinsten und rollen den Keyboards den roten Teppich aus. Unendlich geil gemacht und tierisch umgesetzt.

Das es dem Quintett weniger um Songs, als vielmehr um exzessive Jamtracks geht, kann man bei Titeln wie „Dschungelgelöt“ oder „Schinkenwurst Dub“ vielleicht erahnen. Namen spielen auch keine Rolle, denn „Delayed Back“ zieht sich wie ein einziger Song durch die Ohrmuscheln. Diese Konformität besitzt leider den Nachteil nach einiger Zeit etwas ermüdend zu wirken. Ein Ausreißer hier und da wäre wünschenswert, auch auf die Gefahr hin, dass das geliebte Kartenhaus zu Bruch geht.

Für böse Zungen werden die Noetics wahrscheinlich „Fahrstuhlmusik“ machen. Langweilige Scheiße, die im Hintergrund rumdudelt. Als Backtrack für das moderne Leben funktionieren die Kompositionen jedoch treffsicher. In den 70er Jahren, ohne Hosen und auf LSD hätte das auch bestens funktioniert, aber lassen wir das. Eine geile Band, die hoffentlich nicht wieder acht Jahre braucht um eine neue Scheibe zu veröffentlichen.

Fazit: Drogen sind böse und die Noetics sind gut.


Jan Hagerodt
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.noetics.de

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Noetics - Noetics (1999)
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