Gehört und Gesehen - Labyrinth

29.04.2010Madsen

Madsen

Labyrinth

Universal Music (2010, CD + DVD)

2008 hat Sebastian Madsen nach eigenem Bekunden mit dem Komponieren für das neue Madsen-Album „Labyrinth“ begonnen und seitdem rund 40 neue Songs geschrieben. 14 dieser Titel, bei denen im Einzelfall auch Songschreiber anderer Bands, wie etwa Simon Triebel von Juli beim Single- Hit „Lass die Liebe regieren“ mitgewirkt haben, sind letztlich auf dem Album gelandet.

Dass es manchmal sehr sinnvoll und dem Endprodukt sehr zuträglich ist, wenn man sich mit der Entwicklung und Produktion etwas mehr Zeit nimmt, zeigt „Labyrinth“ eindrucksvoll. „Labyrinth“ ist nicht ein weitere Madsen-Nachfolgealbum, wo gerade mal ein paar neue Songs aneinandergereiht aufgenommen wurden, dieses Album kann man, ohne rot zu werden, als wirkliches Werk bezeichnen, ein Werk, das eine Band in der Regel nicht jedes Jahr zustande bekommt.

Vom Songwriting, von den Arrangements und von der sehr ausgeklügelten, überaus geschmackvollen Produktion ist „Labyrinth“ herausragend gut gelungen, soviel sei schon mal vorweg genommen. Es ist überdies ein sehr facettenreiches Album geworden, das einerseits modern und zeitgemäß herüberkommt, andererseits aber auch zahlreiche Elemente aus mindestens 30 Jahren Rockmusikgeschichte zum Vorschein bringt. Statt minimalistisch Gitarren-Indie-alike zu klingen, haben Madsen und Produzent O.l.a.f. Opal mächtig aufgefahren, wie man es sonst eher von größeren internationalen Album-Produktionen kennt. Gleich im Opener, dem Titelsong des Albums, gehen Madsen fast schon sinfonisch- orchestral zu Werke. Da scheint irgendjemand subtil von Bands wie Queen und deren Super-Hit „Bohemian Rhapsody“ inspiriert gewesen zu sein oder kürzlich des Öfteren System-Of-Down-Scheiben gehört zu haben.

Auch für das britische Pop- Songwriting typische Elemente à la Beatles oder Oasis schimmern durch und das auch bei einigen folgenden Songs. Der Refrain von „Das muss Liebe sein“ ist dagegen im besten Die-Toten-Hosen-Stadion-Hymnen-Stil (inkl. der unvermeindlichen „Ohohoho“-Mitgröhl-Chöre) gehalten, in „Zwischen den Zeiten“ kommen auf schleichenden Sohlen ähnliche Backing-Chöre um die Ecke, wie man sie aus „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones kennt.

Als Meister im Zusammenklauen kann und mag man Madsen nun aber nicht brandmarken, Basis des Albums bleibt ihr eigener Stil und Sound, der durch die beschriebenen Elemente geschmackvoll erweitert und aufgepeppt wurde. Neben komplexen Kompositionen wie „Labyrinth“ gibt es auf dem Album auch wunderschöne, eingängige Balladen und Pop-Hymnen wie „Zwischen den Zeiten“ oder dem Ohrwurm „Lass die Liebe regieren“, Madsen können und wollen aber auch rotzig-wütend wie in „Blockade“, das in ungezügelter Punk-Rock/Hardcore-Manier aus den Boxen schrubbt und drückt.

Insgesamt stellen sich Madsen mit „Labyrinth“ als künstlerisch sehr reife Band vor, die aber dennoch inspiriert und frisch klingt. Das liest sich nahezu nach „optimal / ideal gelungen“ und fast so kann man es auch sehen. Madsen beweisen eindrucksvoll, dass man diese Band nicht als vorübergehend trendige, junge deutschsprachige Indie-Rockband der 2000er-Jahre abstempeln kann. Die Band empfiehlt sich mit diesem Longplayer für eine längere Karriere in der Spitzengruppe der Rock+Pop-Bands des Landes.

Die Deluxe-Version des Albums liefert noch eine Bonus-DVD mit Outtakes aus dem Probenraum der Band und Statements der Musiker.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.madsenmusik.de
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