Gehört und Gesehen - Vom Vintage verweht

23.04.2010Dendemann

Dendemann

Vom Vintage verweht

Four Music Productions (2010, CD)

Dendemann kennen zumindest die Genreprofis wahrscheinlich noch von seinen vorherigen Projekten „Arme Ritter“ oder von „Eins Zwo“. Die Reibeisenstimme aus Hamburg heißt eigentlich Daniel Ebel und ist bekannt für seine kreativen Rap-Wortspielchen, die den Alltag humoresk verwursteln. Mit den Beatsteaks und Herbi Grönemeyer war der Mittdreißiger auf Tour und diese Live Erfahrung sollte auf seinem zweiten Soloalbum hörbar werden. An den Reglern saß mit Moses Schneider der Produzent der Beatsteaks, insofern sollte das eigentlich klappen.

Das Ergebnis ist erstaunlich rockig für einen HipHop-Künstler, der Plan ist also aufgegangen. Die Texte sind bis auf einige Ausnahmen ein ziemlicher Knaller und stets hintergründiger als einem das beim ersten Höreindruck vorkommt. Dendemann ist kein Reinhard Mey (Gottlob!) und singt lieber über Hundescheiße auf dem Bürgersteig als über seinen kleinen Apfelbaum im Garten. Große Bilder und Aussagen sollte man also nicht unbedingt erwarten. Alles andere würde zu dieser versoffenen Stimme allerdings auch echt nicht passen.

Das Album macht insgesamt Spaß und ist gut gemacht, den richtig dicken Song finde ich allerdings nicht. „Stumpf Ist Trumpf 3.0“ und „Freie Radikale GbRdH“ kann man sich auch als Nicht-HipHop-Fan mal reinziehen. Besonders beim letzten Titel werden wirklich geile Samples verwendet.

“Es Geht Bergab“ wäre dann das negative Gegenbeispiel. Im NDW Style klingt dieser Song wie der Gegenpart zu „Ich Will Spaß“ und ist auf diesem sonst sehr kreativ umgesetzten und abwechslungsreichen Album unnötig. „Hörma“ könnte von der musikalischen Seite her auch von Olli P. stammen und genau diese plumpe Verpackung sorgt leider dafür, dass die Texte nicht wirklich zu einem durchdringen.

Schade dass die Wortkunst des Künstlers nicht mehr ganz so scharf und kantig ist, ein Markenzeichen mit dem er besonders bei „Eins Zwo“ punkten konnte.

Fazit: Gutes Album, leider mit einigen Tiefen.


Jan Hagerodt
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.dendemann.de
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