Gehört und Gesehen - Mosaik

08.04.2010Frames

Frames

Mosaik

Steamhammer / SPV (2010, CD)

„Vorsicht beim Hören dieser Cd!!“ Auf der Hülle des schnieken Digipacks müsste sich eigentlich ein Warnhinweis dieser oder ähnlicher Art befinden; und als Zusatz: „Verzückungsgefahr“ oder so. Da sitzt man um kurz vor 8 Uhr morgens am Rechner, schiebt nichtsahnend den Longplayer der Frames rein und ist mit einem Mal nicht nur hellwach, sondern wird vor allem derart in die Songs der jungen Band rein gezogen, dass man überhaupt nichts mehr machen kann, als mit leicht debilen Gesichtsausdruck und der vierten Tasse Kaffee in der Hand der Musik der Hannoveraner zu lauschen.

„The Beginning“ packt durch seine liebliche Gitarrenmelodei die Seele in den Koffer, Pianodelays und sphärische Flächen möchten einen versinken lassen. Die lebendige Rhythmusarbeit von Drummer Kiryll und Basser „Moses“ Hoffmann sorgen jedoch dafür, dass man immer am Ball bleibt. Musikalisch würde man die Frames normalerweise wahrscheinlich in das Schubfach „Progressive-/ Art-/ Postrock stecken. Doch „post“ ist hier lediglich die Verwendung von Sounds. Man baut stilsicher auf die „großen Guten“ die sich über die Jahre bewährt haben. Viel Delay, mal ´ne Orgel, wabernde Flächen und ein Klavier. Das ist klassisch und geschmackvoll und erzeugt eine wunderbare Grundstimmung bei jedem einzelnen Song. Die ungewöhnlich häufig eingesetzten Streicher könnten auf den ersten Höreindruck manchmal etwas „überromantisch“ wirken, funktionieren aber perfekt. Für die modernen Eindrücke sorgen vor allem die Drums, die zwar eine deutliche Liebe zu Trommlern wie Gavin Harrison oder Mike Portnoy erkennen lassen, sich aber im Gegensatz zu den werten Herren ohne Selbstdarstellung sondern immer vorsichtig überlegt in die Songs einbauen. „Pre-Rock“ also aus der Stadt an der Leine; oder anders formuliert: Modern-Post-Rock. Es lebe die Antithese!

Die sich permanent zwischen Hoffnung und Verzweiflung drehende Atmosphäre bei „Imsomnia“ fasziniert, das perlende „Audacity“ lullt ein, bevor „M“ den Hörer in die düstere Realität zurückholt. Das geschickte Hantieren mit Stimmungen und der filigrane Einsatz von tragischen Melodien ist der Grund, warum man einen Sänger bei dieser Combo keine Sekunde lang vermisst. Gesang würde stören. So einfach ist das.

Mit „Mosaik“ beweisen die Frames, dass sie nicht nur eine talentierte, sondern vor allem eine zukunftsweisende, perfekt harmonierende Band sind, die reif für große Taten ist. Eine herausragende Leistung, die einen immer wieder irritiert checken lässt, ob diese Kapelle tatsächlich „nur“ aus Hannover kommt und nicht in den großen, internationalen Prog-Hochburgen geboren wurde.

Man möchte den Hut inklusive des Haupthaars vor den Musikern ziehen. Sie haben ein zeitloses Werk geschaffen, das von der ersten bis zur letzten Sekunde begeistert.

Fazit: Eine Mona Lisa der Musik.


Jan Hagerodt
(10 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.framesmusic.com

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