Gehört und Gesehen - New Boots

08.04.2010Wallis Bird

Wallis Bird

New Boots

Columbia Berlin / Sony Music (2010, CD)

Wallis Bird zog, nachdem sie ihr zweites Album „New Boots“ gerade in trockenen Tüchern hatte, im vergangenen Jahr folgendes Resümee: „Dein erstes Album – du hast dein ganzes Leben für dein erstes Album. Einige der Stücke auf ‚Spoons’ habe ich geschrieben, als ich zwölf war. Ich denke, das neue Album ist nicht das, was man von mir erwartet hätte. Ich hoffe, dass es die Leute schockiert. (...) Es ist keine Platte, zu der man abspülen kann.“

Nun ja, schockiert ist der geneigte Hörer wohl nicht: Schließlich hat die 26-jährige irische Sängerin und Songschreiberin weder ein blutdürstendes Metal-Pamphlet noch eine vor intellektuellem Anspruch zerberstende Freejazz-Scheibe auf den Weg gebracht, sondern ein Album, dass sich – mal spielerisch-leicht, seltener auch etwas behäbig – in verschiedenen Popularmusik-Genres hin und her bewegt: „Can Opener“ und „Travelling Bird“ erweisen sich als treibende, sorgsam arrangierte Akustik-Rocker, während „Meal of Convenience“ mit seiner lagerfeuerumnebelten Protestsongattitüde wie eine musikalische Verbeugung vor Janis Joplin anmutet; Stücke wie „To My Bones“ oder „When We Kissed, The World Fell In Love!“ hingegen präsentieren sich als ohrwurmige Folkpop-Hymnen. Abgerundet wird dieser bunte Mix durch ein paar jazzige Einsprengsel sowie durch einige Ausflüge in klassische Singer/Songwriter-Gefilde („Made Of Sugar“, „Your Mourning Dream“). Abwechslung ist also Trumpf bei „New Boots“ - mitunter erscheint es sogar zu viel des Guten: Der rote Faden droht zu reißen.

„New Boots“ ist im Vergleich zum eher niedlich-eingängigen Debütalbum zwar relativ kantig geraten, aber keineswegs ein Affront gegen den Kommerz: Bekanntlich kann auch eine beachtliche stilistische Vielfalt, die beizeiten mit hittauglichen Ingredienzien verfeinert wird, dem schnöden Mammon Tür und Tor öffnen. Und so ist anzunehmen, dass Wallis Birds Zweitwerk trotz einer gewissen, durch zahlreiche Stilbrüche verursachten Sperrigkeit nicht zum Abspülen verwendet, wohl aber mit ein bisschen Glück und (PR-)Geschick hochgespült wird. Eine Bereicherung der doch etwas von Einfalt und Wirtschaftskrise gezeichneten Chart-Landschaft wäre „New Boots“ allemal.


Peter Garvens
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.wallisbird.com
www.myspace.com/wallisbird
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