Gehört und Gesehen - Turn It On - Live At Rockpalast

26.02.2010Level 42

Level 42

Turn It On - Live At Rockpalast

eagle vision classics (2010, DVD)

In den frühen 1980er Jahren zählte die britische Band Level 42 zu den sehr angesagten Acts unter Musikliebhabern, die es vorzugsweise mit Funk, Jazz und Fusion halten. Ein echter Insider-Tipp, vor allem auch unter aktiven Musikern, die sich von dem mitunter virtuosen Wirken und dem Ideenreichtum der Band beeindruckt fühlten. Bassist und Sänger Mark King bearbeitete den Bass mit seinem Daumen ähnlich spektakulär, hart und flink, wie etwa Eddie van Halen im Heavy-Rock-Genre mit seinen Tappings auf der Gitarre begeisterte.

Level 42 galten vor allen Dingen als hervorragender Live-Act, in den Clubs Europas, darunter auch in Deutschland. Da lief schon mal das Wasser von den Wänden, wenn die Band ihre schweißtreibenden Jazz-Funk-Shows spielte. Songs und Instrumentals aus Alben wie „Level 42“ oder „Early Tapes“ bildeten die Setlist. Spätestens ab Anfang 1983 schrieb die Band zunehmend eingängigere, tanzbare Funk-Pop-Nummern und erreichte in der Folgezeit ein wesentlich breiteres Publikum. In Deutschland waren Level 42 dann mit ihren Single-Hits „Something About You“ oder „Lessons In Love“ endgültig im Mainstream angekommen. Das war um 1985 / 86 herum.

Im Oktober 1983 spielte die Band im legendären Bochumer Club Zeche ein Konzert, das für die Rockpalast-Reihe gefilmt wurde und in ausgewogener, wie ansprechender Weise beide Seiten von Level 42 zeigt: Die damals noch in Originalbesetzung um Mark King (Bass/Gesang), Mike Lindup (Keyboards/Gesang), „Boon“ Gould (Gitarre) und Phil Gould (Schlagzeug/Gesang) aktive Band vermischt in ihrem Programm tanzbare Funk-Pop-Singles mit virtuosen Jazz-Funk-Stücken, bei denen sich die Musiker, allen voran der extrem quirlige Mark King, so richtig austoben.

Die Qualität des TV-Mitschnitts ist ordentlich, die Tonspuren klingen nach „remastered“, lediglich zu Beginn der Show hat man den Eindruck, es wäre kaum oder gar kein Publikum in der Bochumer Zeche anwesend, Mikrofone für die „Atmo“ schienen zunächst entweder nicht vorhanden oder nicht aktiv gewesen sein. Das typische Konzertgefühl, das man sich mit dieser DVD nach Hause holen will, kommt da anfangs nicht auf. Später schwenkt die Kamera dann doch öfter mal in den Club und siehe da: volles Haus und begeistert mitgehendes Publikum.

Mehr als 100 Minuten Spieldauer, das komplette Level-42-Konzert, dessen Programm Rückblick und Vorschau zugleich ist. Frühe Fans werden an „Heathrow“, „Turn It On“, „Love Games“, „Sandstorm“, “Dune Tune” oder “Starchild” ihren Spaß haben, andere freuen sich sicher über Tracks wie “The Sun Goes Down (Living It Up)” oder “The Chinese Way”.

Die Band präsentierte sich auf der Bühne der Zeche hervorragend aufgelegt, fragt sich nur, ob damals die Veranstalter noch keine Handtücher für die Künstler bereitzustellen hatten. Schon nach fünf Songs trieft Mark King als er hätte er einen Saunagang im XXL-Format hinter sich. Aber so stellt man sich eben auch „heißen“ Jazz-Funk-Pop live vor.

Insgesamt eine gute, lohnenswerte DVD und für Fans, die Level 42 noch aus ihrer Club-Zeit in Erinnerung haben, fast schon ein Muss.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.eagle-rock.com
www.level42.com
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