Gehört und Gesehen - Good Intentions

12.02.2010Tom Lüneburger

Tom Lüneburger

Good Intentions

all around music berlin (2010, CD)

Man sollte sich hüten, von Pressefotos oder Plattencovern immer gleich voreilig auf die Musik des entsprechenden Künstlers zu schließen. Man kann kräftig daneben liegen. Assoziationen können einem manchmal schon einen gehörigen Streich spielen.

Hand auf´s Herz: Wer hätte Tom Lüneburger beim Anblick des Frontcovers seines Solo-Debüts nicht als einen weiteren, augenscheinlich vordergründig intellektuell aufgestellten Indie-Pop Songwriter assoziert, der zu schrägen Schrammelakkorden auf einer mäßig gestimmten Akustik-Gitarre seinen Weltschmerz herauslässt, verpackt in ein trendiges Low-Fi-Soundgewand, vielleicht mit irgendeinem Elektronik-Sample-Beat und Glockenspiel-Schnickschnack verziert? Schlimmstenfalls noch nölig-quengelig mit deutschen Texten im drögen Drei-Ton-Sprech-Singsang daherkommend? Und wenn dann auch noch das massive Gestell der Hornbrille zerbrochen ist, dann wird es richtig brenzlig, oder?

Vollkommen falsch! Es kann sofort Entwarnung gegeben werden. Tom Lüneburger, der ehemalige Sänger und Gitarrist der 2006 aufgelösten Berliner Band Myballoon, ist auf „Good Intentions“ –wie man so schön sagt- „zeitlos“ unterwegs, vollkommen trendunabhängig und in keine der so genannten hippen Szene-Schublade einzuordnen. Ja, das geht, selbst in Berlin geht das.

Lüneburger beherrscht die ganz hohe Schule im Genre Singer-/Songwriter, geht auf den zehn Songs des Albums sehr feinfühlig zu Werke, präsentiert großartige Kompositionen, die eine Fülle glanzvoller Melodien bereithalten, Songs, wie sie viele Künstler nur alle paar Jahre, vielleicht auch nur ein bis zweimal im Leben schreiben können, dann, wenn sie sich auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens oder in einer besonderen Lebenssituation befinden. Obendrein ist der Berliner ein absoluter Ausnahmesänger internationaler Top-Klasse. Wunderschöne Akustikgitarre, ein wenig dezentes Schlagzeug, Piano, Bass, mal eine E-Gitarre, dann entfernt ein Akkordeon – alles ganz sensibel, „songdienlich“ eingesetzt und in hervorragender Qualität im Studio aufgenommen. In dieser Form hört man das in Deutschland eher selten, das kennt man sonst eigentlich nur von den ganz großen Alben aus den USA.

So wie sich Tom Lüneburger auf „Good Intentions“ der Hörerschaft vorstellt, fühlt man sich an die besten Songs und Sahne-Produktionen von Acts wie etwa John Mayer, Lloyd Cole, Del Amitri oder Don Henley erinnert. Es mag vielleicht etwas vermessen klingen, aber Tom Lüneburger kann man mit diesem Album, ohne auch nur im Ansatz rot zu werden, genau in die Riege dieser Künstler einreihen. Das ist Top-Qualität, das ist emotionale Tiefe, das ist Reife, das ist Atmosphäre pur. Das lässt vom künstlerischen Niveau eigentlich keine Luft oder gar Lücken nach oben. Dafür weckt das Album großes Interesse, irgendwann mal mehr von Lüneburger und seinen Mitmusikern zu hören.

Tom Lüneburger hat die CD auf eine Spieldauer von nur knapp über 31 Minuten begrenzt. Das ist bemerkenswert und entpuppt sich als geschickte Maßnahme. „Good Intentions“ ist in sich geschlossen, auf den Punkt, ohne überflüssigen Ballast, ohne Füllsongs oder Bonus-Tracks. Endlich mal wieder ein Album, das den Hörer nicht mit 65 oder 70 Minuten Spieldauer und 16 Tracks oder mehr strapaziert. Pearl Jam kamen auf dem hochgeschätzen „Backspacer“ auch mit deutlich unter 40 Minuten aus. In der Kürze liegt eben oft doch die Würze. Frische Qualität statt zäher Quantität.

„Good Intentions“ ist ein großartiges Album, das sich in jeder Hinsicht und durchgängig auf echtem Weltklasse-Niveau bewegt. Da kommt der Rezensent ausnahmsweise nicht umhin, ganz konsequent die hier so gut wie nie vergebene volle Punktzahl „10 von 10“ aufzurufen.


Andreas Haug
(10 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/tomlueneburger

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