Gehört und Gesehen - One Million Things

29.01.2010Samavayo

Samavayo

One Million Things

Sector B/ EMI/ Rough Trade (2010, CD)

Hmm. Über eine geschlagene Stunde versuche ich nun schon hier die passenden Zeilen auf´s digitale Papier zu bringen, aber irgendwie will der „Flow“ (Yeah!) sich nicht richtig einstellen. Was klingt wie eine neue japanische Kampfsportart, ist eine Band aus Berlin. Mit dieser Herkunft ist der Stil eigentlich schon vorgeschrieben. Volle Indie-Kante, tanzbar und immer ein bisschen dreckig, man kennt das ja mittlerweile und hat es leider auch langsam ein bisschen über. Dieses Album braucht Zeit und deshalb kriegen die Kollegen diese. Hätte ich nur die Momentaufnahme bewertet, würde hier jetzt zusammengefasst „gewöhnlicher Indiekrams“ stehen. Damit täte man der Kapelle allerdings langfristig Unrecht.

Mit den straighten Rocknummern kann mich die Band allerdings auch nach mehreren Durchgängen nicht hundertprozentig überzeugen. Viel besser gefällt mir die Band beim Titelsong „One Million Things“, der sich zu einer absoluten Perle entwickelt. Mutig und sich nicht unangenehm zwanghaft in die Charts drängend, große Klasse! Der Opener „Go“ ist zwar schön eckig, klingt aber eher nach einem Startschuss mit angezogener Handbremse als nach Kickstart. „Greatest Fan“ ist ein starker Song der Platte, eingängig aber nicht einspurig, mit schöner Hook. Ebenfalls Daumen hoch gibt es für „Teheran Girl“.

Insgesamt wirkt die Band noch nicht so ganz fertig, wie ein Drei-Minuten-Ei. Manche Zeitgenossen schlürfen das zwar gerne weg, anderen kommt dabei die Galle hoch. Obwohl die Jungs schöne Sounds erzeugen, werden die Songs manchmal ein bisschen langweilig. Größtes Manko ist das Fehlen einer prägnanten Stimme. In den ruhigen Passagen passt das so zwar super, aber beim Gasgeben fehlt oft der Druck. Vielleicht sollte man sich insgesamt mehr in diese chillige, coole Richtung bewegen, Ballermonster gibt es eh schon so viele wie Kampfsportarten in Japan und grooven können sie, die Berliner.

Fazit: Auf´s erste Ohr nicht so prickelnd, kommt aber nach ein paar Hördurchgängen deutlich besser.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

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