Gehört und Gesehen - Angelface

29.01.2010Chapter II feat.Natalie Chandra

Chapter II feat.Natalie Chandra

Angelface

Antstreet / New-Music-Distribution (2010, CD)

Wie hat man sich in der Regel ein “Angelface”, ein Engelsgesicht vorzustellen? Weich, hübsch, mit einem warmen, gutmütigen Ausdruck? Mag alles sein, das Engelsgesicht der Schweizer Rock/Metalband Chapter II hat eindeutig harte und kantige Konturen, schaut aber keinesfalls böse drein.

Gemeinsam mit der Sängerin Natalia Chandra haben Chapter II eifrig im Studio gewerkelt, hauptsächlich waren Gitarrist James Ender und Schlagzeuger Fredy Wiederkehr damit beschäftigt, über ein Jahr lang an den insgesamt zwölf Tracks zu arbeiten. Die Grundidee war es, so informiert der Medientext, klassische und Worldmusic-Einflüsse mit rockig treibenden Rhythmen und prägnanten Gitarrenriffs zu mischen.

Das klingt vom Ansatz sehr spannend, reist einen im Ergebnis dann zwar nicht wirklich vollständig vom Hocker, ist aber korrekt, ansprechend und mit Detailliebe umgesetzt worden. Von den Beats, Gitarrenriffs und einigen elektronischen hat der Grundsound zuweilen etwas von den Bands des Genres „Neue Deutsche Härte“, dann wiederum sind Chapter II in den Metal-Spielarten (Epic-) Power-Metal und Gothic-Metal unterwegs, vermischen verschiedene Genre-Stilistiken zu ihrem Sound. Bands wie Nightwish, All Endes, Lacuna Coil und In Extremo, werden auf der MySpace-Seite von Chapter II als Einflüsse angeführt. Das ist durchaus hörbar, wobei man In Extremo dann doch mal außen vor lassen möchte. Brettharte Gitarrenriffs, majestätische Keyboards findet man ebenso wie elektronische Drum-Beats, einfache Synthie-Melodien kombiniert mit Spannung aufbauenden Streicher-Sounds.

Ebenso variabel agiert Sängerin Natalie Chandra, die eine Bandbreite von der klassischen Hardrock-Röhre bis zur Gothic-Metal-Chanteuse anbietet und auch beherrscht. Mindestens die ersten Songs sind mit viereinhalb bis fünf Minuten ein wenig zu lang geraten, nach etwas über zwei Minuten Spieldauer haben Sängerin und Band eigentlich alles gesagt und gespielt was der Track braucht. Insbesondere im Opener „Sulphur Anima“ fällt das ins Gewicht. Das kann auf die Dauer dann etwas langatmig werden, anders im dritten Song „Seventh Hour“, in dem nach gut zwei Minuten ein leidenschaftliches Wah-Wah-Gitarrensolo für Frische sorgt.

Fans der beschriebenen Stilrichtungen sollten „Angelface“ vielleicht mal ein Ohr (eventuell auch zwei) leihen.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/thechaptertwo
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