Gehört und Gesehen - So Laut Ich Kann

21.01.2010Luxuslärm

Luxuslärm

So Laut Ich Kann

Opposition Music / Intergroove (2010, CD)

Melodische, kraftvolle, emotionale, äußerst massentaugliche Pop-Rock-Musik auf kompositorisch, technisch hohem Niveau: So ließe sich „So Laut Ich Kann“, das zweite Album der Band Luxuslärm in einem Satz zusammenfassen. Im Anschluss könnte man die mit 14 Titeln vielleicht etwas zu ausführlich geratene CD rauf und runter hören, abwechselnd vor Rührung weinen oder fröhlich tanzen oder aber man geht zur Tagesordnung über.

Man kann zu Luxuslärm und ihrer Musik ein durchaus ambivalentes Verhältnis haben. Auf der einen Seite werden dem Hörer überwiegend vorhersehbare auf erwartungsgemäß hohem und aktuellen Industriestandard, auf Massen-und Radiotauglichkeit produzierte Songs geboten, was im Ergebnis einerseits kaum künstlerische Innovation, wenig Originalität und auch wenig Individualität, dafür vielmehr Angepasstheit an Marktgegebenheiten vermittelt, was aber anderseits dennoch sehr viel Freude und Spaß machen kann, ja auch wirklich berühren kann.

Wer auf solide Mainstream-Unterhaltung, teilweise großartige Melodien und voluminösen Arenen-und Stadionsound nach seit Jahren bewährten Strickmustern steht, wird mit dieser Luxuslärm-Produktion vollbedient. Lediglich die Wunderkerzen und Taschentücher muss der Hörer selbst bereithalten.

Auf „So Laut Ich Kann“ beackern Luxuslärm verschiedene Felder der großen Pop-Rock-Ländereien. Von jedem etwas. Schmissiger, aufgeweckter Swing-Rock zur Eröffnung mit „Sag´Es Wie Es Ist“, Großdiskotheken-NuRock-Stampfer wie „Du Weißt Nicht Wie Es Ist“, dem im Schunkel-Refrain fast schon etwas Schlagerhaftes anhängt, ein sich von der Ballade bis zum unwiderstehlichen Mid-Tempo-Power-Pop-Ohrwurm entwickelndes „Vergessen Zu Vergessen“, dann kommen Songs wie „Leb´Deine Träume“ die vom Sound auch gut im Umfeld von etwa Evanescence oder Placebo laufen könnten, wenn der Großdiskotheken-DJ gerade sein Programm in diese Richtung fährt.

Am Stärksten sind Luxuslärm dann, wenn Sie schönen, tendenziell balladesken Pop-Rock spielen, so wie etwa bei „Sie Sieht Es Nicht“, „Nichts Ist Zu Spät“ oder „Feuer“.

Obwohl Luxuslärm, erst vor rund zwei Jahren einer größeren Öffentlichkeit in Deutschland bekannt geworden, noch als „junge Band“ gelten, gehen sie nicht mit der Attitüde „jung, frech und frisch“ zu Werke, sind keine „szenige“ Band, sondern wirken vielmehr reif und erwachsen. Das mag in den eher konventionellen, konservativen Kompositionen, am Bandsound oder auch an der Stimme von Sängerin Janine Meyer liegen. Alles klingt weniger „jung und unverbraucht“ denn „reif und erfahren“. Man muss die Stimme nicht mögen und auch nicht deren energetischen Einsatz, fest steht, dass hier eine Sängerin am Werk ist, die ihr Handwerk absolut versteht, nicht wie eine der vielen jungen Newcomer- Pop-Sängerin agiert.

Hier bei Luxuslärm wird dem Pop doch noch eine gehörige Portion Rock und Soul beigemengt. An einigen Stellen wimmert auch noch -leicht zum Classic-Rock- schielend, eine „Schweine-Orgel“. Das erinnert insgesamt an eine gut dotierte, total professionelle Top-40 Coverband die auf hohem Niveau und nach allen Regeln der Kunst einen großen Fundus an kommerziellen Songs und Hits unterschiedlicher Originalinterpreten amtlich präsentieren kann. Janine mit ihrer „Power-Voice“ setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Mit diesem Album dürften Luxuslärm ein sehr großes, trendneutrales Publikum erreichen, Menschen abholen, die die großen Radiosender hören und wahlweise gern mal Konzerte von unterschiedlichsten aber konsensfähigen Acts wie Silbermond, Juli, Clueso, Peter Maffay, Pur, Reamonn, Rosenstolz, Herbert Groenemeyer bis hin zu Ina Müller besuchen (würden). Die Musikfans, die Anfang der Neunziger die Stadionshows von Westernhagen feierten, sich bei den so genannten „Mega-Balladen“ wunderkerzenschwenkend in den Armen lagen, werden auch mit vielen Songs von Luxuslärm ganz viel anfangen können. Mainstream halt.

Man kann diese Musik, dieses Album kühl produziert, kommerziell-kalkuliert, angepasst, beliebig, unfrisch und austauschbar finden oder alles richtig mögen, sich von vielen tollen Pop-Rock-Melodien und häufig sehr ansprechenden, guten Texten verzaubern lassen, weinen, lachen, tanzen (s.o.) und sich auch von dem –pardon- „fetten“ Sound packen lassen. Wenn man´s mag.

Irgendwie dazwischen wird´s schwierig mit Luxuslärm und der Platte.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.luxuslärm.de
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