Gehört und Gesehen - 2.13

21.01.2010Tim McMillan

Tim McMillan

2.13

T3records / Alive (2010, CD)

Ein Album für Hörer mit einem sehr speziellen Musikgeschmack abseits gängiger Konventionen und für (sehr) spezielle Momente hat der australische Musiker Tim McMillan produziert. „2.13“ könnte man, salopp gesprochen, in die Abteilung „schön und abgefahren“ einordnen. McMillan, seines Zeichens ein äußerst versierter, virtuoser Akustikgitarrist und Gelegenheitssänger schöpft seine Inspirationen aus den verschiedensten musikalischen Stilen und entwickelt dabei ein selbsterdachtes Genre: „Goblincore“.

Akustische Musik im kleinen Akustikband-Format mit Bass und Schlagzeug, oft instrumental, mit experimenteller Note, psychedelischem Gesang und auf Grund der großen Individualität nicht wirklich festzumachen. Tendenziell Singer/Songwriter, in erster Linie eine Fusion aus meditativ-chillig und esoterisch anmutendem Folk mit Klassik mit Latin, Jazz, Flamenco und Blues, auf progressive Weise umgesetzt. Zeitweise verschroben, rätselhaft, nicht selten schön zu hören, auch zum Träumen geeignet, wenn da nicht die oft harten brüchigen Wechsel innerhalb der Stücke wären, die immer wieder aufhorchen lassen, wachrütteln, kurz bevor man geneigt ist dahinzudämmern. Die Medieninfo steckt das stilistisch große Feld von „Swamp Folk (Sumpf Folk) bis „Acoustic Viking Metal (Akustischer Wikinger Metal)“ ab und stellt auch Einflüsse von Acts wie Kate Bush, Radiohead oder gar Alice In Chains heraus. Wer jetzt nicht völlig aus der Spur geraten ist, der Meinung ist, Künstler und Rezensent hätten komplett einen an der Waffel, sollte sich ruhig mal an die Musik und das Album wagen. So schwer verdaulich wie es scheint, muss es gar nicht sein.

Das Album ziert ein bemerkenswert schön-lustiges Artwork. Ein Haus mit der Nummer 213 im finsteren Wald in dessen Tür ein Mäuserich mit Schal und Mantel steht, links daneben im Halbdunkel eine grimmige Figur mit Eierschalenkopf, über das Dach neigt sich eine zum Schreien ansetzende Katze. Während vor dem Haus ein Musikertrio offenbar gut gelaunt werkelt, lugt hinter einem Baum ein Pirat mit Säbel hervor. Auf der Rückseite haben sich die drei Musiker (es handelt sich wohl um das Tim McMillan Trio), auf einen Baum geflüchtet, denn in der Zwischenzeit ist ein in eine schwarze Kutte gehülltes Gespenst erschienen, das den oben auf einem Ast sitzenden Gitarristen fixiert, in der rechten Hand eine Motorsäge…

Nach dem Genuss dieses Albums heißt es dann wohl für alle, schleunigst runterzukommen.

Herrlich.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/timmcmillanguitar
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