Gehört und Gesehen - Melancholic Freedom

14.01.2010Pandora

Pandora

Melancholic Freedom

Xochipilli Records (2009)

Ein Album-Debüt aus dem belgisch-deutschen Grenzgebiet. Das Trio Pandora lässt auf „Melancholic Freedom“ 14 Songs von der Leine die stilistisch das Feld beinharter, rotziger Rock´n´ Roll, Punkrock, Garage und Grunge abdecken, teils druckvoll geradeaus ab durch die Mitte, teils mit noisigem Psychedelic-Appeal und spannenden Gitarrendissonanzen.

Pandora bestehen aus Sängerin (Shouterin) Annie, Bassistin Mia und Roman, der hörbar ein Schlagzeug bedient und auf selbiges nicht selten heftig eindrischt, dem auf der MySpace-Seite aber eine „Panzerfaust“ zugeordnet wird.

Der erste Höreindruck überrascht weder positiv noch negativ, dafür bieten Pandora doch zu sehr Althergebrachtes, sehr Vertrautes aus den angeführten Stilrichtungen. Bevor man die Band aber voreilig in den schon leicht staubigen Karton mit der Aufschrift „ solider Garagen-Rock´n´Roll mit Grunge-Noise-Alternative Zeugs 1990 ff.“ ablegt, sollte man sich einen zweiten und dritten Eindruck verschaffen und generell in der Stimmung sein, Musik aus den genannten Genres zu hören, besser noch, zu erfahren. Unter dieser Voraussetzung vermag „Melancholic Freedom“ durchaus zu packen und Spaß zu machen.

Pandora gehen vielfach wütend-explosiv zur Sache, charakteristisch ist das Ausnahmeorgan von Sängerin Annie, die ihre Vokal-Eskapden besser nicht in einer Facharzt-Praxis für Logopädie vorführen sollte. Dort würde man erschaudern, von dem mitunter kompromisslos dargebotenen, fieshaft-dreckigen, exzessiven und kratzbürstigen Geshoute. Das kann auf die Dauer nicht gut für die Stimme sein, was Annie da anbietet, es ist aber zweifellos eine echte Ansage in Sachen Rock-und Grunge-Gesang. Auf diesem Album wird das Rock´n´Roll Biest ein um´s andere Mal aus der letzten Ecke hervorgekitzelt, gepiesackt und zur rasenden Wildsau gemacht.

Eine echte Handmade-Rockband sind Pandora, die sich mit diesem Album für Live-Shows empfehlen, die für Street-Rock´n´Roll und Grunge-Fans zu wahren Knallern geraten könnten. Vorzugsweise in brechend vollen Keller-Clubs mit niedriger Decke, dort, wo das Bier aus der Flasche zu Dumping Preisen gereicht wird und wo man es mit dem Rauchverbot nicht ganz so eng handhabt. Da wünscht man „Angenehmes Entrücken“ im Wechsel mit schweißtreibendem wildem Moshpit-Getobe. Wer geht zwischendurch als nächster zur Theke?


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.myspace.com/pandorasguitar
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