Gehört und Gesehen - Es Wird Passieren

14.01.2010Der Schulz

Der Schulz

Es Wird Passieren

Eigenproduktion (2009, CD)

Da ist sie nun endlich, die Cd des „rockigen Liedermachers“ - wie er sich selbst gerne „einschubladet“. Daniel Schulz; mit Künstlernamen: Der Schulz. Seit 2008 warten wir auf dieses Album. Epidemien und Heuschreckenschwärme verhinderten eine frühere Fertigstellung immer wieder. Zugegeben, ganz so biblisch waren die Gegner nicht. Aber viele gesundheitliche Rückschläge ließen den Release immer wieder nach hinten wandern. Blablabla, nu´ isse jedenfalls da.

„Heute“ eröffnet den Silberling und gibt auch gleich die Grundhaltung der Cd vor. Ganz viel „lecke mich am Arsch“ und Revoluzzer Einstellung, gepaart mit einem Quäntchen Hoffnung auf den berüchtigten Silberstreif am Horizont. „Bin Nicht Mehr Hier“ erzählt die Geschichte von Selbstfindung kontra Verleugnung des eigenen Ichs und mausert sich nach ein paar Hördurchgängen als erster Höhepunkt der Platte. „Die Wahren Asis“ ist mit Sicherheit der Track, der den meisten Hörern aus der Seele sprechen wird. Zumindest wenn man nicht im Vorstand von VW sitzt oder Michael Schuhmacher heißt. Dass soziale Ungerechtigkeiten dem Rocker aus dem Harz auf der Seele liegen, wird nicht nur unterschwellig deutlich, sondern man bekommt es direkt vor´s Gesicht geknallt. Für manch einen vielleicht manchmal etwas zu plump, wird es genau dadurch zum charakteristischen Merkmal von Daniel Schulz. Direkt, echt und immer vor´n Latz. So ist er und so will er sein.

“Geld macht primitiv“ singt er in „Liebe Sünde“ und über solche Aussagen kann man sicher streiten. Allerdings würde „Geld könnte Dich primitiv machen, wenn Du ein charakterlich schwacher Mensch und im Leben oft zu kurz gekommen bist“ auch einfach ein bisschen lang sein. Er will provozieren und das sollte man als Künstler in seinem Metier ja auch. Dass der Mann stimmlich eine echte Hausnummer ist, weiß jeder der ihn schon einmal live erlebt hat. Ein weiches aber kräftiges Organ, das die Botschaft der Songs trägt. Die Band spielt gut auf, das Cellospiel von b.deutung ist gar phänomenal und gibt den Songs häufig den wichtigen, letzten Kick.

Man bekommt das Gefühl, als ob “Der letzte Mohikaner“ ein bisschen auf Daniel selbst gemünzt ist. Ein allein stehender Kerl, der aus seiner Zeit gerissen wurde und einen anderen Weg des Lebens einschlagen würde, wenn ihn die Gesellschaft lassen würde. „Du Kannst Alles Haben“ ist eine deutsche Version des Songs „Hurt“ von Johnny Cash bzw. von Nine Inch Nails Frontsau Trent Reznor und die zweite Achse des Albums. Ein toller dynamischer Aufbau mit Emotionsentladung im Endteil.

„Es Wird Passieren“ ist ein gutes Album mit zwölf abwechslungsreichen Tracks, welche vor allem die Menschen begeistern werden, die die Attitüde des Songwriters mögen. Wenn man da „nicht konform geht“ (wie man so schön sagt) dann wird ein Durchhören schwer möglich sein. Also gilt in diesem Fall: Erstmal Herz und Hirn checken bevor die Ohren dran sind.

Fazit: Ich wusste gar nicht, dass Indianer auch im Harz siedeln.


Jan Hagerodt
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.derschulz.net
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