Gehört und Gesehen - Stigmatized

17.12.2009My Enemies.XII.Mistakes

My Enemies.XII.Mistakes

Stigmatized

Eigenproduktion (2009, CD)

Ein Album, das genau genommen aus einer Doppel-EP besteht, so was bekommt man auch nicht alle Tage. Die Pop ´n´Core-Band My Enemies.XII.Mistakes landet mit „Stigmatized“ sowohl vom Grundkonzept als auch von der Ausführung eine faustdicke Überraschung. Fünf, überwiegend neue, Songs gibt es in „amplified“ Versionen, weitere fünf Songs „unplugged“.

Was ist denn nun schon wieder „Pop ´n´Core“, werden Leute fragen, die den sehr speziellen Stil dieser Band bislang noch nicht kennen. Die Nienburger Band vermischt Elemente aus modernem Rock, Punk-Rock, Emo/Screamo, Metal, Hardcore und Pop zu einem eigenständigen Sound. Die Basis allem ist ein außergewöhnlich gutes Songwriting, was nicht zuletzt auch die „unplugged“-Versionen offen legen. Mächtiges, druckvolles und leidenschaftliches Rock-Geballer mit konsequenter Härte trifft auf richtig gute Melodien mit zum Teil Ohrwurm-Qualitäten.

Songabläufe und Arrangements sind anspruchsvoll, mitunter komplex und ausgefeilt. In diesem Punkt unterscheiden sich My Enemies.XII.Mistakes teilweise sehr deutlich von vielen anderen Bands die in ähnlicher Richtung unterwegs sind, „irgendwas“ in Richtung Punk-Pop-Rock-Emo-Hardcore machen. Wenn man die ganze Begriffsklärung noch steigern wollte, könnte man bei dieser Band noch „Progressiv“ dazu setzen.

„Pop ´n´Core“ liest sich so einfach, spielt sich aber nicht leicht. Die Musiker sind Könner an ihren Instrumenten, bieten wunderschöne Gesangslinien und würzen das Ganze mit markerschütternden Screams, die genau dort platziert sind, wo es der jeweilige Song braucht.

Jetzt aber mal langsam. Sowas geht auch akustisch? Das kann man sich, kennt man die in den Regionen Hannover und Nienburg durchaus ziemlich populäre Band von ihren meist angenehm heftig rockenden Live-Shows, eigentlich nicht so recht vorstellen. Es geht aber akustisch und das sehr gut.

Und diese unplugged-Versionen sind das eigentliche Highlight der Platte, das ganz Besondere. Spielt man Songs akustisch, kann man sich eben nicht hinter fetten Soundwänden verstecken, da zeigt sich dann, wie viel Substanz eine Komposition hat, welche Qualität und Kreativität die Musiker haben, wie man Metalcore-Riffs auf eine Akustikgitarre transferieren kann, ohne das dem Song die Luft ausgeht. Was all diese Punkte angeht, kann man nur vor der Band nur den Hut ziehen und beide Daumen in die Höhe strecken.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.12mistakes.com
www.myspace.com/12mistakes
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