Gehört und Gesehen - Rise And Fall

17.12.2009Stanfour

Stanfour

Rise And Fall

Universal Music (2009, CD)

Selten war eine Künstlerinfo so ehrlich wie die im Falle von Stanfour. „Wir waren eher ein Bandprojekt, als eine echte Rockcombo“ geben die Musiker offen zu und äußern weiter, dass sie stets versucht haben, eine Hitsingle zu landen. Keine platt gedroschenen Phrasen im Stile von „Wir machen was wir wollen“ oder „Der Majordeal geht uns am Arsch vorbei“. Rockattitüde vermisst man also bei den Norddeutschen - auch musikalisch. Ihr zweites Album „Rise And Fall“ ist eine Pop Auster, die beim Öffnen der Schale ganz stark an moderne Produktionen im Stile von One Republic, der neuen aha-Platte oder U2 klingt. Ob sich in der glibberigen Masse auch ´ne Perle befindet wollen wir mal schauen.

Mittlerweile ist der Arbeits- und Lebensmittelpunkt der Band Hamburg, bekannt geworden ist die Kapelle um das Geschwisterpaar Konstantin und Alex Rethwisch wohl aber eher wegen ihrer Herkunft von der Insel Föhr und natürlich durch ihre Hitsingle „For All Lovers“, die monatelang in den Charts rumdudelte. Harte Arbeit als Produzenten, Tontechniker und Komponisten erbrachten eine Menge wichtige Kontakte für die Band, die sie heute dringend brauchen. Denn Erfolg ohne sich zu prostituieren scheint heutzutage im Musikbusiness nicht mehr möglich zu sein.

In Kooperation mit Universal & Pro Siebens Label „We Love Music“ durfte, bzw. musste man selbst bei Detlef D. Soest Castingshow „Popstars“ Pate für ein Teilnehmerpärchen sein. Natürlich wurde nebenbei gleich die aktuelle Single „Wishing You Well“ präsentiert. Bei so viel Masturbation vor dem eigenen Spiegel kann einen überhöhter Brechreiz schon mal heimsuchen.

Die elf Songs der karrierebewussten Band klingen nach großen Sprüngen, dick aufgetragen und sind perfekt für den internationalen Markt produziert. „Say You Care“ klingt nach Keane, „Tired Again“ nach Sunset Boulevard und nur der Blick auf das Cover dieses Albums verrät einem, welche Band sich da eigentlich gerade im Player dreht. Versteht mich nicht falsch. Es gibt wirklich gute Songs auf „Rise And Fall“. “Take Me Or Leave Me“ oder auch “Life Without You“ sind großartige Pop Balladen, die mit Sicherheit auch prima funktionieren und ankommen. Doch wie das so ist mit einem perfekten Gegenstand. Man schaut ihn gerne an, doch gebrauchen mag man ihn nicht.

Wer auf Perfektion und Pop Musik steht, der wird mit der neuen Stanfour Platte hochzufrieden sein. Alle, denen es um die Einzigartigkeit und Emotionen einer Band geht, sollten diese Auster jedoch getrost am Strand verkommen lassen. Das ist Nahrung für eine Klientel, die weniger mit Musik und mehr mit der Glitter und Glamourwelt (in der die Teenies ständig kreischen müssen) zu tun hat.

Fazit: Es geht doch nichts über Pommes- Schranke.


Jan Hagerodt
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.stanfour.com
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